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Schwindende Stoßdämpfer

Arthrose

Arthrose ist eine Erkrankung, die in jedem Gelenk vorkommen kann. Knie-, Hüft-, Hand- und Fingergelenke sind am häufigsten von Arthrose betroffen.

Erhöht Laufen das Risiko für Arthrose?

Das Märchen, Laufen verursache Arthrose, hält sich hartnäckig. Allerdings finden sich unter den 15 Millionen Bundesbürgern, die unter Arthrose leiden, kaum Läufer. Studien zeigen, dass das allgemeine Risiko, Arthrose zu erkranken, für Sportler niedriger ist als für inaktive Personen – selbst dann, wenn man die höhere Verletzungsrate bei Sportlern und damit einhergehende Verletzungen des Knorpelgewebes berücksichtigt. Der Grund dafür könnte eine überdurchschnittlich ausgeprägte Muskulatur sein, die die Gelenke stabilisiert und somit den Knorpel besser vor Überbelastung schützt. Ob leistungsorientierter Laufsport das Risiko für Knorpelschäden und eine dadurch verursachte Arhrose erhöht, ist umstritten. Man geht allerdings davon aus, dass Lauftraining im Grundlagenbereich eher präventiv wirkt, da durch die Druck- und Zugbelastung der Gelenke eine bessere Versorgung des nicht durchbluteten Knorpelgewebes gewährleistet ist. Trotzdem scheint Osteoathritis heutzutage häufiger aufzutreten, was meist darauf zurückgeführt wird, dass unsere Gesellschaft immer schwerer und älter wird.

Welchen Einfluss hat Laufen auf den Gelenkknorpel speziell im Kniegelenk?

Ob die Entstehung von Arthrose im Kniegelenk durch sportliche Aktivität begünstigt wird, ist Gegenstand aktueller Diskussionen. Regelmäßige Belastung trainiert aus biomechanischer Sicht die kniegelenksumgebende Muskulatur und schult die Koordination. Das wiederum hat eine bessere Gelenkstabilität zur Folge sowie positive Auswirkungen auf den Gelenkknorpel im Sinne einer Entlastung bei äußerer Krafteinwirkung. Moderates Training von fünf Stunden oder 40 Stunden pro Woche führt laut einiger Wissenschaftler zu einer verbesserten Gelenkfunktion. Dieser positive Effekt verringert sich im Hochleistungssport. Bei Ausdauersportlern erhöht sich mit zunehmender Streckenlänge die Wahrscheinlichkeit für ein Defizit der muskulären Stabilität (zum Beispiel beim Marathon). Dadurch werden Fehlstellungen der Beine und eine asymmetrische Kraftverteilung begünstigt.

Aus biochemischer Sicht kann sportliche Belastung die Herstellung knorpeleigener Zellen erhöhen und nachfolgend die Resistenz des Knorpelgewebes auf biomechanischer Ebene verbessern. Dies gilt jedoch nicht für Personen, die ihre Kniegelenke nach längerer inaktiver Phase wieder einer Laufbelastung aussetzen. Eine erschöpfende Trainingseinheit wirkt sich in diesen Fällen negativ auf die Syntheserate knorpelspezifischer Zellen aus.

Wofür ist der Gelenkknorpel wichtig?

Eine intakte Knorpelstruktur ist die Voraussetzung für optimale biomechanische Verhältnisse und reibungslose Bewegungsabläufe eines Gelenks. Der hyaline Knorpel gewährleistet unter statischen sowie dynamischen Bedingungen das reibungsarme Gleiten der Gelenkflächen. Außerdem ermöglicht es die Absorption sowie die gleichmäßige Übertragung von Scher- und Kompressionskräften auf den darunterliegenden Knochen. Im Gegensatz zum hyalinen Gelenkknorpel ist Faserknorpel, woraus beispielsweise Meniski bestehen, für den Widerstand gegen Zugkräfte konzipiert.

Woraus besteht Gelenkknorpel und wie ist der Gelenkknorpel aufgebaut?

Der hyaline Gelenkknorpel lässt sich je nach Literatur in drei bzw. vier übereinanderliegende Zonen unterteilen. Es handelt sich um ein komplexes Stützgewebe, das zwei gelenkbildende Knochen auf den Flächen überzieht, die bei Bewegungen aneinander gleiten. Im Kniegelenk ist die Knorpelschicht zwei bis fünf Millimeter dick. Hyaliner Gelenkknorpel besteht aus Knorpelzellen (Chondrozyten) und Knorpelmatrix. Die Hauptbestandteile des Knorpelgewebes sind Wasser, knorpelspezifische Zellen und Kollagen. Lediglich zwei bis vier Prozent des Gewebevolumens stellen Knorpelzellen dar.

Hyaliner Knorpel hat keine Nerven, sodass weder Schmerz noch Ermüdung wahrgenommen werden können. Eine weitere Besonderheit des Knorpels ist die fehlende Lymphgefäß- und Blutversorgung. Daher kann die Nährstoffversorgung nur mithilfe der Gelenkflüssigkeit (Synovia), die sich zwischen den Gelenkflächen befindet, erfolgen. Allerdings besitzt hyaliner Gelenkknorpel nur eine sehr geringe und langsame Durchlässigkeit für diese Flüssigkeit. Dadurch ist der Knorpel anfällig für Minderversorgung.

Durch knorpelspezifische Zellen kann Knorpelgewebe Wasser aufnehmen und abgeben. Dadurch ist eine Verformung des Knorpels möglich. So kann sich das Knorpelgewebe an Belastungen anpassen.

Die mechanische Stimulation des Knorpels durch Belastung ist für den Knorpelstoffwechsel aufgrund der fehlenden Durchblutung von großer Wichtigkeit. Während kontinuierliche Belastung zu einer vermehrten Produktion von knorpelspezifischen Zellen führt, nimmt die Konzentration selbiger im Knorpelgewebe bei fehlender Belastung ab. Die Folge ist eine geringere Belastbarkeit.

Was ist der Unterschied zwischen Arthrose und einem Knorpelschaden?

Obwohl es sich sowohl bei Arthrose als auch beim Knorpelschaden um eine Verletzung des Knorpelgewebes handelt, gibt es Unterschiede zwischen diesen Krankheitsbildern. Knorpelschäden sind umschriebene Defekte der Knorpeloberfläche bei ansonsten intakter Gelenkknorpelumgebung. Sie entstehen in den meisten Fällen durch ein traumatisches Ereignis in Kombination mit einer Verletzung des Band- und Stützapparates, beispielsweise einem Kreuzbandriss. Im Gegensatz zu den klar abgrenzbaren isolierten Knorpelschäden zeigen sich bei einer Arthrose meist flächige Defekte des Knorpels mit diffusem Defektrand. Mit fortschreitender Destruktion kommt es zu einem vollständigen Verlust des Knorpelgewebes, sodass der Knochen darunter freiliegt. Man spricht dann auch von einer Knorpelglatze. Grundsätzlich ist jeder Knorpelschaden als eine Präarthrose, also als eine Verletzung zu werten, sie zu Arthrose führen kann. Knorpelschäden im Kniegelenk beispielsweise begünstigen nachweislich die frühzeitige Entstehung von Gonarthrose (Arthrose im Kniegelenk).

Was sind Symptome und Folgen von Arthrose?

Die gesunde Knorpelschicht der Gelenke, die als „Stoßdämpfer“ fungiert und eine reibungslose Bewegung ermöglicht, wird bei einer Arthrose immer dünner, bis sie sich fast komplett auflöst. Dadurch treffen die Knochenenden ungeschützt aufeinander, was erhebliche Schmerzen verursachen kann. Das Knorpelgewebe wird nicht durchblutet und ist nicht schmerzempfindlich. Die auftretenden Schmerzen entstehen am Knochen und in den umliegenden Muskel- und Bandstrukturen.

Arthrose zeichnet sich durch Anlaufschmerzen aus, die am Morgen nach dem Aufstehen oder nach längerem Sitzen am stärksten sind. Bei kontinuierlicher gleichmäßiger Bewegung nehmen die Schmerzen langsam ab.

Was sind die Ursachen von Arthrose?

Die Arthrose wird heute nicht mehr als eine rein degenerative Verschleißerkrankung angesehen, die durch eine altersbedingte Abnutzung der Gelenkflächen entsteht. Da es sich um eine multikausale Erkrankung mit vielen verschiedenen möglichen Ursachen handelt, gehen arthrotische Knorpeldefekte mit Veränderungen aller umliegenden gelenkbildenden Strukturen einher. Dazu zählen die Gelenkflüssigkeit (Synovialis), der Knochen, Bänder, die Gelenkkapsel und alle gelenknahen Muskeln.

Man unterscheidet eine primäre und eine sekundäre Arthrose. Die Ursachen für eine primäre Arthrose, die ohne ein vorhergehendes Trauma entsteht, können neben anatomische Abweichungen auch Störungen des Knorpelstoffwechsels sowie genetische Faktoren sein. Anatomische Abweichungen der Knochen, die ein Gelenk bilden, führen zu dauerhafter Überbelastung eines Knorpelbereichs und dadurch zur Arthrose.

Eine sekundäre Arthrose wird vor allem durch vorangegangene Traumen wie Sportverletzungen, aber auch durch Übergewicht (Adipositas), Infektionen, rheumatische Erkrankungen oder eine dauerhafte Fehlbelastung eines Gelenks hervorgerufen. Eine Arthrose kann auch infolge eines Unfalls oder aufgrund von anatomischen Fehlstellungen wie O-Beinen (Genu varum) entstehen. Jedoch zählen Übergewicht, Bewegungsmangel und Fehlernährung, die zur Übersäuerung des Organismus führt, zu den Hauptursachen von Arthrose.

Kann Gelenkknorpel wieder heilen?

Hyaliner Gelenkknorpel besitzt kaum Regenerationspotential. Er bildet nur dann Reparaturgewebe aus, wenn die Verletzung des Knorpels bis in den Knochen hineinreicht. Das sich dann ausbildende Gewebe ist auf straffem Bindegewebe basierender Faserknorpel. Dieser weist jedoch sowohl biochemisch als auch biomechanisch eine deutlich schlechtere Funktionalität auf als der ursprüngliche hyaline Gelenkknorpel und ist damit anfälliger für weitere Verletzungen.

Wer stellt Arthrose fest?

Arthrose wird von einem Orthopäden mithilfe von Blutuntersuchungen und bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztherapie (MRT) oder in der Computertomographie (CT) diagnostiziert.

Was hilft gegen Arthrose? Die Behandlung

Das Zauberwort heißt: Bewegung. Kontinuierliche Bewegung für mindestens 30 Minuten pro Tag verbessert die Ernährungssituation des vorhandenen Korpelgewebes. Gezieltes Krafttraining in einem Fitnessstudio unter professioneller Aufsicht hilft Ihnen, die umliegende Muskulatur des betroffenen Gelenks zu stabilisieren und damit das Knorpelgewebe zu entlasten. Eine ausführliche Befundung bei einem Physiotherapeuten kann Asymmetrien in der Muskulatur aufdecken. Mit einem daraus abgeleiteten Übungsprogramm können Sie muskulären Defiziten langfristig entgegenwirken. Einige Krankenkassen bieten bei Arthrose im Knie- und Hüftgelenk sowie in der Wirbelsäule bereits OP-Vermeidungsprogramme an, die von Ärzten in Kooperation mit Physiotherapiepraxen und Rehaeinrichtungen durchgeführt werden.

Nahrungsergänzungsmittel wie Chrondroitinsulfat und Glucosamine, die beim Knorpelaufbau helfen sollen, machen nur dann Sinn, wenn Sie bereits über die Grundursache der Arthrose Bescheid wissen. Die Wirkung von Hyaluronspritzen ist, unter anderem aufgrund der recht hohen Infektionsrate, recht umstritten und nicht sicher belegt.

Falls die Arthrose so weit vorangeschritten ist, dass bereits kleine Bewegungen extreme Schmerzen auslösen, sollten Sie das Training ins Wasser verlagern. So können Sie Ihre Muskulatur trainieren, ohne das Gelenk mit Ihrem Körpergewicht zu belasten.

Wenn der Knorpel komplett geschädigt ist und der Knochen nicht mehr geschützt werden kann, ist ein künstlicher Gelenkersatz das Therapiemittel der Wahl. In einer Operation wird das komplette Gelenk oder einzelne Teile davon künstlich ersetzt. Eine solche Operation sollte sorgfältig durchdacht werden, da Totalendoprothesen nur eine begrenzte Lebensdauer haben und nach etwa 15 Jahren in einer weiteren Operation ausgetauscht werden müssen.

So können Sie Arthrose vorbeugen

Bewegung und die richtige (ausgewogene) Ernährung können einer Arthrose vorbeugen. Jedes Kilogramm Körpergewicht, das die Gelenke weniger zu tragen haben, mindert das Risiko. Die Gelenke können sich nur aufgrund von Bewegung ernähren. Daher tun Sie Gutes, wenn Sie Ihr Leben mit sportlichen Aktivitäten bereichern – 30 Minuten Bewegung täglich wirken Wunder – nicht nur bei Arthrose.

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