Aufwärmübungen vor dem Laufen: Das richtige Warm-up für Läufer

Aufwärmübungen, Mobilisation und Einlaufen
Das richtige Warm-up für jeden Lauf

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 08.09.2026
Als Favorit speichern
Das richtige Warm-up für jeden Lauf
Foto: Henning Heide

Nach acht Stunden im Bett oder ebenso vielen vor dem Bürocomputer ist der Körper im Ruhemodus. Wer unmittelbar danach versucht, im Training Vollgas zu geben, überfordert sich leicht. Verletzungen können die Folge sein. Aber nicht nur nach langen Phasen der Untätigkeit, sondern eigentlich vor jedem Training ist ein Warm-up sinnvoll, um leichter in die ersten Laufschritte zu kommen und Verletzungen zu vermeiden.

Warm-up vor dem Laufen – Kurz-Anleitung

Das Warm-up bereitet deinen Körper auf die Laufeinheit vor – demnach solltest du dich vor jedem Lauf ordentlich aufwärmen.

Beginne damit, deine Gelenke zu mobilisieren. Das bedeutet:

  • Oberkörperdrehen: Schwinge die Arme locker um die eigene Achse, sodass sich die Brustwirbelsäule mitdreht – von links nach rechts und umgekehrt.
  • Hüftkreisen: Bewege dein Becken in einer kreisenden Bewegung
  • Fußkreisen: Bewege deine Füße in einer kreisförmigen Bewegung – einmal mit und einmal gegen den Uhrzeigersinn.
  • Beinschwingen: Schwinge dein Bein vor und zurück.

Zusätzlich solltest du unbedingt Warm-up-spezifische Übungen machen. Diese werden später ausführlich erklärt.

  • Beinheber
  • Armkreisen
  • Plyometrischer Ausfallschritt
  • Stechschritt
  • Rumpfbeuge

Zuletzt kannst du kurze, schnelle Läufe machen – entweder auf der Stelle oder etwa 50 Meter weit. Danach bist du bereit, deinen Lauf zu starten. Beginne aber nicht sofort im absoluten Renntempo, sondern steigere dich über die ersten Meter.

Warum Aufwärmen vorm Laufen wichtig ist

Gerade Laufanfängerinnen und -anfänger neigen dazu, das Aufwärmen zu überspringen – schließlich will man direkt loslegen und sich bewegen. Doch ein dynamisches Warm-up macht den Organismus und die Muskulatur optimal fit für die bevorstehende Belastung während des Lauftrainings. Es bringt einerseits deinen Körper auf Betriebstemperatur und kurbelt den Blutfluss an. Andererseits stärkt ein dynamisches Warm-up die Oberschenkelmuskulatur und macht die Achillessehne flexibler.

So sieht ein gutes Warm-up aus

Ein gutes Aufwärmprogramm bereitet deinen Körper auf die anstehende Laufeinheit vor, und zwar sowohl den Kreislauf als auch Muskulatur und Gelenke.

Die einfachste Variante

Eine einfache und bewährte Methode ist das klassische Warmlaufen: Beginne mit zügigem Gehen, steigere dann über langsames Traben bis zu deiner gewohnten Laufgeschwindigkeit. Besonders wenn du bereits aktiv warst (z. B. durch Spaziergänge, Gartenarbeit oder Spielen mit Kindern) und nur ein lockeres Training planst, kann dieses Warmlaufen als Basis-Warm-up ausreichen. Der Nachteil dieser Variante ist jedoch, dass diesem Warm-up die Beweglichkeitselemente fehlen. Damit kommen wir zu dieser Warm-up-Version:

Die umfassende Variante

Besser, als einfach nur loszutraben, ist es, spezielle Aufwärmübungen durchzuführen. Eine empfehlenswerte Kombination aus fünf einfachen Übungen findest du unten. Mit diesem Aufwärmprogramm kommt einerseits dein Kreislauf in Schwung, andererseits werden die Muskeln und Gelenke gefordert, die du später beim Laufen brauchst. Denn geschmeidige Muskeln und bewegliche Gelenke (vor allem Fußgelenke, Knie und Hüfte) sorgen für ein rundes, dynamisches Laufen.

Warm-up nach Laufart

Solltest du besonders intensive Trainingseinheiten wie ein Intervalltraining, einen Tempodauerlauf oder ein Fahrspiel planen, hänge an die Aufwärmübungen für zuhause noch Aufwärmübungen während des Einlaufens an, etwa Übungen aus dem Lauf-ABC wie den Hopserlauf, Steigerungsläufe und Sprints.

Warm-up vor Wettkämpfen

Vor kurzen Rennen (5 und 10 Kilometer) empfiehlt sich das gleiche Programm wie vor Tempoläufen. Ansonsten hängt die optimale Gestaltung des Warm-ups von der Renndistanz ab. Beginne mit langsamem Traben, ruhigem Laufen und einigen Übungen zur Mobilität und Lauftechnik. Absolviere als Abschluss des Warm-ups einige Steigerungsläufe, bei denen du das Tempo bis zur Wettkampfpace steigerst.

Grundsätzlich bedingt die Länge der Wettkampfstrecke auch die Dauer des Warm-ups: Kürzere Renndistanzen wie fünf oder zehn Kilometer erfordern längeres Aufwärmen, da du hier vom Start weg ein sehr viel höheres Tempo anschlagen musst. Bei einem Marathon können Läuferinnen und Läufer mit einem Zeitziel über vier Stunden sich das Aufwärmen sparen und stattdessen die ersten Kilometer zum Einrollen nutzen. So verhinderst du zugleich ein Überpacen direkt nach dem Start.

Warm-up vor einem 5-km-Rennen

  • 20 bis 30 Minuten langsames Laufen
  • 10 Minuten Mobilisation und Lauf-ABC
  • Steigerungen: 4 bis 8 x 80 m
  • Kurze Erholungspause, in der du dich aber warm hältst

Warm-up vor einem 10-km-Rennen

  • 15 bis 20 Minuten langsames Laufen
  • 10 Minuten Mobilisation und Lauf-ABC
  • Steigerungen: 3 bis 6 x 80 m
  • Kurze Erholungspause (warmhalten)

Warm-up vor einem Halbmarathon

  • 10 bis 15 Minuten langsames Laufen
  • 5 Minuten Mobilisation und Lauf-ABC
  • Steigerungen: 3 x 80 m
  • Kurze Erholungspause (warmhalten)

Warm-up vor einem Marathon

  • 5 bis 10 Minuten langsames Laufen (oder die ersten 1 bis 2 Kilometer des Rennens)
  • 3 bis 5 Minuten Mobilisation und Lauf-ABC
  • Steigerungen: keine
  • Bis zum Start möglichst warmhalten

5-Minuten-Warm-up zu Hause: 5 Übungen

Nicht nur im Athletiktraining, sondern auch beim Aufwärmen gilt: Sportartspezifische Übungen sind effizient und sparen Zeit im Trainingsplan. Die folgenden fünf Übungen, die du vor jeder Trainingseinheit durchführen solltest, machen dich startklar fürs Training und beugen Verletzungen vor. Absolviere sie einfach zu Hause, bevor du auf deine Laufrunde startest.

Aufwärmübung 1: Beinheber für bewegliche Hüftgelenke

Henning Heide

So mobilisierst du deine Hüftgelenke: Atme tief ein und strecke die Arme nach oben, während du das rechte Bein anhebst, bis der Oberschenkel waagerecht zum Boden steht. Hebe jedes Bein 15- bis 20-mal. Achte zudem auf einen runden Fußaufsatz, das mobilisiert die Fußgelenke.

Aufwärmübung 2: Armkreisen für lockere Schultergelenke

Henning Heide

So bereitest du deine Schultergelenke für das Armpendel vor: Locker deine Arme durch Kreisen mit möglichst großem Radius. Führe erst mit dem einen, dann mit dem anderen Arm je sechs komplette Kreise nach vorn und hinten aus. Mit einem entspannten Oberkörper läuft es sich leichter und geschmeidiger.

Aufwärmübung 3: Plyometrischer Ausfallschritt für gute Hüftstreckung

Henning Heide

Eine gute Hüftstreckung verbessert die aufrechte Körperhaltung beim Laufen: Gehe mit dem rechten Fuß und dem linken Arm in einen tiefen Ausfallschritt, bis das Schienbein des hinteren Beins parallel zum Boden ist und das Knie diesen beinahe berührt. Dann stoße dich explosiv vom Boden ab und wechsle im Sprung die Position der Beine, sodass du mit dem linken Bein vorn und dem rechten hinten wiederum im Ausfallschritt landest. Damit hast du eine Wiederholung absolviert. Mache drei Sätze à 10 Wiederholungen.

Aufwärmübung 4: Stechschritt für hohe Schrittfrequenz

Henning Heide

Je besser und ausdauernder du die Hüftgelenke beugen kannst, desto schneller werden deine Laufschritte und desto höher wird deine Schrittfrequenz: Stelle dich aufrecht hin und schwinge dein rechtes Bein im Stechschritt bis zur Hüfte hoch. Das Bein bleibt gestreckt. Gleichzeitig hebst du den linken Arm, als wolltest du deinen rechten Fuß berühren. Mache zehn Wiederholungen pro Seite.

Aufwärmübung 5: Rumpfbeuge für bewegliche Körpermitte

Henning Heide

Maximale Hüftbeugung und Rumpfrotation für eine effiziente Kraftübertragung: Spreize die Beine, die Zehen zeigen nach vorn, die Knie sind durchgedrückt. Nun greife mit der linken Hand zum rechten Fuß. Gehe zurück in die Ausgangsposition und mache dasselbe zur linken Seite. Wiederhole die Übung auf jeder Seite zehnmal.

Dehnen vor dem Laufen: Was sinnvoll ist – und was nicht

Vor einer Laufeinheit geht es in erster Linie um das Ankurbeln des Kreislaufs, die bessere Durchblutung der Muskulatur und die Verbesserung von Koordination und Gelenkbeweglichkeit. Dies erreichst du am besten durch dynamische Mobilisationsübungen wie die obigen Aufwärmübungen, evtl. kombiniert mit Laufschul-Übungen (Lauf-ABC). Statische Dehnübungen oder auch die Bearbeitung der Muskulatur führst du besser nach einem lockeren Laufen durch, wenn die Körperstrukturen komplett aufgewärmt sind. Nach harten Belastungen solltest du mit (vorsichtigem!) Dehnen besser einige Stunden warten.

Sind die Aufwärmübungen auch gleichzeitig fürs Dehnen geeignet?

Die gezeigten Aufwärmübungen vor dem Laufen – wie dynamische Bewegungen oder lockeres Einlaufen – können zwar auch dehnähnliche Elemente enthalten, sie ersetzen aber keine gezielte Dehnroutine. Zwar lassen sich einige dieser Übungen in eine Dehneinheit integrieren, ihr Hauptzweck bleibt jedoch, den Körper auf Betriebstemperatur zu bringen und die Muskeln geschmeidig für die Belastung zu machen.

Wer zusätzlich seine Beweglichkeit verbessern möchte, sollte nach dem Laufen oder an trainingsfreien Tagen separate, statische Dehnübungen durchführen. Im Gegensatz zu den kurzen, aktivierenden Bewegungen beim Aufwärmen erfordert richtiges Dehnen eine längere Haltezeit – idealerweise 30–60 Sekunden pro Muskelgruppe –, damit du die gewünschte Wirkung erzielst. So vermeidest du, dass die Muskeln im „kalten“ Zustand überdehnt werden, was das Verletzungsrisiko erhöhen könnte. Es ist also sinnvoll, wenn du deine Dehnroutine und das Warm-up separat absolvierst.

Wie oft sollte man die Aufwärmübungen machen?

Grundsätzlich gehört ein Aufwärmprogramm vor jede Laufeinheit. Es ist wie bei einem Dieselmotor: Erst warmlaufen lassen und dann läuft es wie von allein. Für die Übungen oben haben wir Vorschläge für die Wiederholungsanzahl der Übungsdurchführung gemacht. Höre aber auch auf deinen Körper. Das Warm-up ist zwar wichtig und soll intensiv aufwärmen, aber nicht erschöpfen.

Worauf sollte man bei der Ausführung von Aufwärmübungen achten?

Beginne die Übungen locker und versuche, mit steigender Wiederholungszahl, immer näher an das maximale Bewegungsausmaß zu gehen. Das bedeutet: Beginne mit den Bewegungen in dem Bewegungsbereich, der dir angenehm und einfach erscheint. Steigere dich langsam bis zu deinem maximal möglichen Bewegungsradius. Starte mit langsamen und kontrollierten Bewegungen und steigere die Bewegungsgeschwindigkeit nach und nach. Denke daran: Die Übungen dienen dazu, den Körper auf die bevorstehende Belastung vorzubereiten, und sind kein explizites Training.

Häufige Fragen zum richtigen Warm-up

Fazit