Sport nach Zyklus
Laufen mit dem Zyklus

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 05.05.2026
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Trainieren mit dem Zyklus
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Zyklusbasiertes Training ist aktuell in aller Munde – und das ist auch gut so, denn die Aufmerksamkeit für dieses Thema ist längst überfällig. Schon vor Jahren sorgte die britische Läuferin Jessica Judd für Schlagzeilen als sie sagte, dass ihre Zeit über 3.000 Meter je nach Zyklusphase um bis zu 15 Sekunden variiert. Im Spitzensport ist das die Welt zwischen einem Podiumsplatz und dem frustrierenden Ende des Feldes. Doch was Profisportlerinnen wie Judd längst wissen, wird im Breitensport oft noch totgeschwiegen oder als bloßes Unwohlsein abgetan. Dabei beeinflussen die Hormone weit mehr als nur die Stimmung.

Warum Laufen nach Zyklus deine Leistung verbessern kann

Wie massiv der Zyklus die Leistung beeinflussen kann, zeigt ein Beispiel des Langstreckentrainers Tom Craggs. Er berichtet von einer Läuferin, die Eisenpräparate nahm, nachdem bei ihr eine Blutarmut diagnostiziert worden war (die oft durch starke Regelblutungen ausgelöst wird). Nach nur drei Wochen steigerte sie ihre Bestzeit im Halbmarathon um 15 Minuten.

Doch nicht nur der Eisenwert ist entscheidend. Hormonelle Schwankungen greifen oft unbemerkt in die gesamte Physiologie ein. Sie können Magenprobleme, Krämpfe, Schlaflosigkeit, eine erhöhte Herzfrequenz und Kurzatmigkeit hervorrufen.

Dazu kommt die Psyche: Auch das Selbstbewusstsein kann beeinträchtigt werden. Insbesondere der Abfall von Östrogen in der zweiten Zyklushälfte kann zu verstärkten Selbstzweifeln und einer negativeren Wahrnehmung deiner eigenen Leistungsfähigkeit führen.

2021 führte der SWR eine Umfrage unter 719 Leistungssportlerinnen zum Thema Periode durch. Die Hälfte aller Sportlerinnen gab an, dass die Menstruation ihre Leistung beeinträchtige. 40 Prozent waren der Meinung, dass der Zyklus und die Periode stärker bei der Planung von Training und Wettkämpfen berücksichtigt werden sollte.

Grundlagen: So funktioniert der Menstruationszyklus

Bei den meisten Mädchen setzt die Periode erstmals mit etwa zwölf Jahren ein und wiederholt sich dann bis zur Menopause mit etwa 50 bis 55 Jahren. Als vollkommen normal gelten Zyklen von 21 bis 35 Tagen und eine Blutungsdauer von zwei bis zehn Tagen. Für alle, die sich nicht mehr an den Biounterricht erinnern: Der Menstruationszyklus ist definiert als die Zeit vom ersten Tag der weiblichen Periode bis zum Tag vor Beginn der nächsten. Er wird durch Hormone gesteuert. In den nächsten Absätzen findest du Empfehlungen für Training und Ernährung in den zwei Zyklushälften, also Follikel- und Lutealphase.

Während der ersten Zyklushälfte steigt der Östrogenspiegel. In einem der zwei Eierstöcke reift ein Ei heran, das beim Eisprung in den Eileiter befördert wird. In der zweiten Hälfte bereitet das Hormon Progesteron die Gebärmutter auf die Einnistung eines Embryos vor. Wird das Ei nicht befruchtet, wird es vom Körper absorbiert. Östrogen- und Progesteronspiegel sinken, die Gebärmutterschleimhaut löst sich ab und wird ausgeschieden. Dieser gänzlich normale physiologische Vorgang kann enorme Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit haben. Deswegen ist es sinnvoll, seinen Sport nach dem Zyklus zu richten.

Training nach Zyklusphasen: Welche Trainingseinheit passt wann?

Um das Maximum aus deinem Training herauszuholen, kannst du die Intensität deines Laufplans also an den Hormonstatus anpassen. Man unterteilt den Zyklus hierfür grob in vier Phasen. Folgende Tabelle gibt dir einen schnellen Überblick:

Die Tabelle gibt dir die Richtung vor, aber was passiert in dieser Zeit eigentlich genau in deinem Körper? Hier findest du die Details zu den einzelnen Phasen und erfährst, wie du dein Training jeweils perfekt auf deine körperliche Verfassung abstimmst. Für eine bessere Veranschaulichung kann man den Zyklus mit dem sogenannten Jahreszeiten-Modell vergleichen:

Menstruation: ideal für lockeres Training und Regeneration

Der Zyklus startet mit dem Winter, der Periode. In dieser Phase kannst du ruhig etwas Rücksicht nehmen und eher locker und niedrigintensiv trainieren. Vor allem zu Beginn der Periode fühlen sich Frauen oft niedergeschlagen und schlapp. Auch Menstruationsschmerzen können auftreten. Lockeres Ausdauertraining wäre jetzt angebracht, auch Alternativsportarten wie Schwimmen oder Radfahren eignen sich. Beweglichkeitstraining und Dehnübungen tun dem Körper in dieser Trainingsphase sehr gut. Yoga- oder Pilates-Übungen können Unterleibschmerzen und Rückenschmerzen verringern, die durch die Periode ausgelöst werden.

Follikelphase: ideal für Intervalltraining

Mit dem Frühling wird alles besser: Die Menstruationsbeschwerden sind weg und Frauen sind kreativer, motivierter und können besser mit anstrengenden Trainingseinheiten umgehen. Dein Körper kann nun besonders effizient Muskeln aufbauen, regeneriert schneller und verkraftet intensive Reize deutlich besser. Nutze dieses Fenster für harte Intervalle oder Krafttraining. Ein weiterer Pluspunkt für Läuferinnen: Da deine Körpertemperatur in dieser Phase niedriger ist, kommst du selbst bei Hitzeläufen weniger schnell ans Limit.

Ovulation: ideal für Krafttraining

Als nächste Phase kommt der Sommer, also der Eisprung. Frauen haben jetzt die beste Leistungsfähigkeit überhaupt. Die Energie und Laune sind am Hochpunkt angelangt und auch die Hormone Östrogen und Testosteron sind so hoch wie nie. Wenn der Eisprung einsetzt, dann steigt die Körpertemperatur und damit auch die Pulsfrequenz. Zum Verständnis: Während der Periode sind der Blutdruck und der Puls am niedrigsten und steigen stetig, wenn es in Richtung Eisprung geht.

Krafttraining ist in dieser Ovulationsphase besonders effektiv. Der Grund sind die Östrogene, die während dieser Phase ansteigen. Sie haben einen anabolen Effekt, wirken also aufbauend.

Lutealphase: ideal für Grundlagenausdauer

Jetzt kommt der stürmische Herbst. Das Training wird in dieser Phase als viel anstrengender wahrgenommen. Frauen haben mit Launen und Stimmungsschwankungen zu tun, die daher kommen, dass sich hormonell alles verändert. Das Progesteron steigt nochmal kurz an und dann fallen die beiden Hormone Östrogen und Progesteron in einem sehr kurzen Zeitraum sehr stark ab. Diese Veränderungen benötigen viel Ruhe und Konstanz von außen.

Hör in dieser Zeit besonders auf deinen Körper und verzichte auf zusätzliche Stressfaktoren wie hartes Intervalltraining oder strenge Diäten. Wenn du versuchst, gegen diese inneren Schwankungen anzuarbeiten, verstärkst du oft nur die typischen Beschwerden – was dich am Ende viel deutlicher ausbremst als eine wohlverdiente Trainingspause. Sportlerinnen sollten deshalb niedriger intensiv trainieren und ihren Fokus auf die Grundlagenausdauer legen, also lange und ruhige Läufe durchführen. In der zweiten Zyklushälfte ist Krafttraining weniger effektiv. Der Botenstoff Progesteron steigt nach dem rasanten Abfall wieder an und ist dafür verantwortlich, dass der Stoffwechsel katabol, also muskelabbauend, wird.

Vielleicht kennst du sogar folgendes Szenario aus eigener Erfahrung: Ein paar Tage vor deiner Periode fühlst du dich nicht nur schlapp, sondern auch, als würde eine Erkältung im Anmarsch sein. Deine Muskeln schmerzen, du hast leichte Gliederschmerzen, die Körpertemperatur ist erhöht und du fühlst dich einfach erschöpft. Man spricht dann oft von der sogenannten „Period Flu“. Dabei handelt es sich nicht um einen echten Infekt, sondern um eine Reaktion deines Körpers auf den Hormonumschwung und die damit verbundenen Prostaglandine (Gewebshormone). Für dich als Läuferin ist auch das ein klares Signal, die Intensität sofort herunterzufahren. Ein lockerer Spaziergang oder leichtes Stretching ist okay, aber harte Einheiten würden deinen Körper jetzt nur unnötig stressen. Das Gute daran: Sobald die Blutung einsetzt und der Hormonspiegel sich neu sortiert, verschwinden diese „Grippe-Symptome“ meist so schnell, wie sie gekommen sind.

Inzwischen zeigen auch einige Studien, dass durch den Progesteron-Anstieg in der Lutealphase die Verletzungsanfälligkeit steigt. Wärme dich vor dem Lauftraining in dieser Phase also besonders gut auf. Ein intensives Lauf-ABC ist dafür ideal.

Ernährung im Zyklus: So unterstützt du dein Lauftraining optimal

Wer sein Training an den Zyklus anpasst, sollte auch die Ernährung nicht vergessen. Denn je nach Hormonlage braucht dein Stoffwechsel unterschiedliche Nährstoffe, um die Laufleistung zu stützen und Entzündungen vorzubeugen:

Follikelphase (Menstruation)

In den Tagen deiner Periode ist dein Hormonspiegel am niedrigsten, was im Körper eine leichte, niedrigschwellige Entzündungsreaktion auslösen kann. Da auch die Zahl deiner weißen Blutkörperchen sinkt, ist dein Immunsystem in dieser Zeit etwas anfälliger. Um dein Krankheitsrisiko zu senken und dein Training zu stützen, solltest du jetzt besonders auf eisenhaltige Lebensmittel wie Kürbiskerne, Linsen oder rotes Fleisch setzen – kombiniere diese am besten mit Vitamin C, damit dein Körper das Eisen optimal aufnehmen kann.

Ergänze deinen Speiseplan mit entzündungshemmenden Lebensmitteln wie Beeren, Nüssen und Saaten. Chia-Samen, fettreicher Fisch und Walnüsse liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren, die typische Regelsymptome lindern können. Auch wenn du dich vielleicht etwas träge fühlst: Achte vor längeren Läufen unbedingt darauf, ausreichend Kohlenhydrate zu tanken, um deinen Blutzuckerspiegel stabil zu halten und deinen Körper nicht durch ein Energiedefizit zusätzlich zu stressen.

Follikelphase

Dein Östrogenspiegel steigt spürbar an, während das Progesteron noch ganz niedrig ist. Du wirst merken, wie deine Energie zurückkehrt und du wieder Lust auf schnellere Einheiten bekommst. Da du jetzt härter trainieren kannst, braucht dein Körper den passenden Support. Lebensmittel wie Kiwis, Beeren, Mandeln und Avocados enthalten wichtige Bausteine für die Kollagenbildung, was dein Bindegewebe stärkt.

Setze nach dem Training auf eine betont eiweißreiche Ernährung, damit sich deine Muskulatur optimal an die neuen Reize anpassen kann. Eier, Hüttenkäse, mageres Fleisch oder Erdnussbutter sind jetzt ideale Kraftquellen, um deine Regeneration zu unterstützen und dich für die nächste Einheit fit zu machen.

Ovulation (Eisprung)

Der Hormonspiegel steigt in dieser Phase an. Optimal ist jetzt vor allem eine ballaststoffreiche Ernährung mit vielen Antioxidantien, roten Beeren, Paprika oder Äpfeln. Empfohlen wird auch buntes Obst bzw. Gemüse mit viel Kalzium wie Brokkoli, Grünkohl, Rucola und Fenchel, aber auch Mohn und Sesam. Ab dem Eisprung sollte auch besser auf rotes Fleisch (z.B. Rind- und Schweinefleisch) oder Milchprodukte verzichtet und stattdessen auf die entzündungshemmende Ernährung gesetzt werden. Damit kannst du vorsorgen, um Bauchkrämpfe in der bevorstehenden Menstruation zu verhindern. Neben den schon erwähnten gesunden Fetten wie Omega-3-Fettsäuren zählt dazu auch alles, was im Meer schwimmt, also Muscheln, Seefisch und viele andere. Der Blutzuckerspiegel kann schon jetzt instabil sein. Protein bei jeder Mahlzeit hilft gegen Unterzuckerung.

Lutealphase

Der Hormonspiegel sinkt stark ab. Die dadurch verursachte Entzündungsreaktion verursacht PMS (Prämenstruelles Syndrom). Gegen Ende dieser Phase stellt der Körper von der Verbrennung von Fetten auf Kohlenhydrate um; steigert dann den Anteil an Kohlenhydraten. Eiweiß und komplexe Kohlenhydrate (Vollkorn) verhindern Heißhungerattacken. Ganz wichtig zu wissen: Der weibliche Körper benötigt in der zweiten Zyklushälfte, also der Lutealphase, ungefähr 200 Kalorien mehr pro Tag. Nach einem Lauf solltest du also immer darauf achten, genügend Kohlenhydrate und Proteine zu dir zu nehmen. Genauso wichtig ist die Versorgung während des Trainings. Setz unterwegs auf Sportgetränke mit Kohlenhydraten oder hab immer einen Riegel im Laufgürtel dabei – so verhinderst du, dass dein Blutzucker Achterbahn fährt und dich Heißhungerattacken überfallen. Falls dich in dieser Phase Schlafstörungen plagen, können melatoninreiche Lebensmittel wie Bananen oder Haferflocken am Abend helfen.

Zyklus tracken und Trainingsplanung optimieren

Um dein Training und deinen Körper bestmöglich zu unterstützen, solltest du verstehen, in welcher Phase sich dein Körper gerade befindet. Starte am besten damit, deinen eigenen Rhythmus mithilfe einer Zyklus-App zu tracken. Apps wie Clue, FitrWoman (speziell für Sportlerinnen) oder die integrierten Funktionen deiner Sportuhr sind ein sehr guter Anfang. Aber denk daran: Keine Frau funktioniert exakt nach Schema F. Damit du deinen Körper verstehst, solltest du über mindestens drei Monate hinweg nicht nur den ersten Tag deiner Periode festhalten, sondern auch täglich folgende Details notieren:

  • Dein Energielevel: Fühlst du dich unbesiegbar oder sind die Beine heute sehr schwer?
  • Deine Schlafqualität: Wachst du erholt auf oder wälzt du dich unruhig hin und her?
  • Deine Stimmung: Bist du motiviert für Intervalle oder eher niedergeschlagen?

Sobald du ein Muster erkennst, kannst du deine Trainingsplanung proaktiv anpassen. Wenn du zum Beispiel weißt, dass du an Tag 24 deines Zyklus regelmäßig mit schweren Beinen und schlechter Laune kämpfst, ist das nicht der richtige Tag für einen harten Tempolauf. Schiebe die intensiven Einheiten stattdessen in die Woche nach der Periode. Durch das Tracking entwickelst du ein besseres Körpergefühl und lernst, Belastungssignale richtig zu deuten. Das Ziel ist nicht, dein Leben dem Zyklus unterzuordnen, sondern das Training so zu timen, dass du mit minimalem Widerstand maximale Fortschritte erzielst.

Wie wertvoll diese Selbsterkenntnis in der Praxis ist, zeigt das Beispiel der Läuferin Gemma Hockett. Wer wie sie auf die natürlichen Hormonschwankungen achtet, erkennt rasch die wiederkehrenden Muster: „Alle 28 bis 29 Tage setzt meine Periode ein und mit einem Schlag wird die Welt zu einem besseren Ort“, sagt die Läuferin. „Etwa sieben Tage vorher werde ich übellaunig, mein Appetit steigt, ich wälze mich nachts unruhig im Bett, weil mir viel zu warm ist. Zwei Tage vorher fühle ich mich aufgebläht, kämpfe mit Kopfschmerzen und kann gar nicht mehr aufhören zu essen.“

Solche Symptome, bekannt als Prämenstruelles Syndrom (PMS), haben beträchtliche Auswirkungen aufs Training: „Besonders schlapp fühle ich mich zwei Tage vor bis zwei Tage nach dem Einsetzen der Periode“, so Hockett. „Marathontempo zu laufen, fühlt sich dann sehr viel schwerer an. Die Atmung ist angestrengter und Tempotraining fällt mir schwer. Aber am dritten und vierten Tag geht es plötzlich wieder. Am besten läuft es bei mir in Phase eins meines Zyklus (direkt nach der Periode). In der Follikelphase kann ich gut einen Marathon laufen. Am Anfang der Lutealphase würde ich es noch in Betracht ziehen, aber danach ist überhaupt nicht daran zu denken. Bevor ich mich für einen Wettkampf anmelde, überprüfe ich, in welcher Phase ich mich am Tag X befinde.“

Hocketts Beobachtungen stimmen genau mit dem überein, was wir über den Zyklus und die körperliche Leistungsfähigkeit wissen: Das Absinken des Hormonspiegels in der prämenstruellen Phase kann eine Entzündungsreaktion hervorrufen, die Stimmung, Schlaf und Energieniveau und Regenerationsfähigkeit beeinträchtigen kann. Bei Einsetzen der Periode steigt der Hormonspiegel und die Kräfte kehren zurück.

Leidest du an PMS oder anderen zyklusbasierten Beschwerden, ermittele als Erstes, was du tun kannst, um deinen Zyklus auf natürliche Weise zu steuern und die Symptome zu mildern. Helfen kann neben der Anpassung des Trainings und einer bewussten Ernährung auch die Entwicklung einer Schlafstrategie.

Laufen mit dem Zyklus
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Kann ich während meiner Periode trotzdem Sport machen?

Die meisten Frauen sind sich der Krämpfe, die die Menstruation mit sich bringen kann, allzu bewusst. Spitzensportlerinnen sind da keine Ausnahme. Die britische Weltklasse-Marathonläuferin Aly Dixon sagt, ihre Krämpfe seien so stark, dass sie sich oft in Fötusstellung zusammenkrümme. „Ich hatte in den letzten Jahren das große Glück, dass meine Wettkämpfe auf die richtigen Tage des Zyklus fielen“, sagt sie. „Ich habe festgestellt, dass ich am dritten Tag recht gut laufen kann. Aber die vier Tage davor sind nicht so toll. An den beiden Tagen vor der Periode kriege ich Rückenschmerzen und schwere Oberschenkel, was Läufe in vollem Tempo noch anstrengender macht.“

Doch natürlich kannst du auch während der Periode trainieren, wenn du dich danach fühlst, und auch gute Leistungen erbringen. Paula Radcliffe lieferte den Beweis, als sie 2002 in Chicago einen Weltrekord im Marathon aufstellte, obwohl sie im späteren Verlauf des Rennens unter zyklusbedingten Krämpfen litt.

Die zentrale Botschaft an alle laufenden Frauen lautet: Trotz möglicher Beschwerden musst du das Training nicht zwangsläufig aussetzen. Oft reicht eine bewusste Anpassung der Intensität aus. Allein schon informiert zu sein, hilft dabei, belastungsarme Tage oder eine lockerere Trainingsart gezielt entsprechend dem eigenen Zyklus einzuplanen. „Viele Frauen haben mir erzählt, dass allein schon ein besseres Verständnis dazu geführt hat, sich besser zu fühlen“, so Bruinvels. Ihr Rat ist: „Wenn du dich mit deinem Zyklus vertraut machst, besteht kein Grund, warum du nicht an jedem beliebigen Tag eine Topleistung bringen kannst.“ Das bedeutet jedoch nicht, dass du dich zu jedem Training zwingen musst. Am Ende geht es darum, die Signale deines Körpers richtig zu deuten und dadurch gesünder zu trainieren.

Hilft Bewegung gegen Menstruationsbeschwerden?

Auch wenn sich das Joggen oder anderes Training während der Periode anstrengender anfühlen kann, ist Bewegung dennoch förderlich gegen Menstruationsbeschwerden. Leichte Krämpfe lassen sich durch Sport tatsächlich abmildern. Probiere einfach aus, welche Bewegung und welche Trainingsintensität dir guttut und Unterleibsschmerzen und Krämpfe vermindern kann. Es muss ja kein Lauftraining sein, vielleicht ist ein Spaziergang für dich besser. Passe dein Training dahingehend an und ziehe kein Trainingsprogramm durch, das dir widerstrebt. Wichtig: Wenn die Schmerzen sehr stark sind, dann ist das nicht normal und sollte in jedem Fall medizinisch untersucht werden.

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Kann sich der Zyklus durch Sport verschieben oder sogar ausbleiben?

Ein weiteres Problem hat in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit erregt: Bei Ausdauersportlerinnen bleibt die Periode manchmal monate- oder jahrelang aus, mit schlimmen Auswirkungen für die Gesundheit, man spricht von Amenorrhoe. Die Sportmedizinerin Petra Platen von der Ruhr-Universität Bochum erklärt in einem Interview mit RUNNER’S WORLD, dass das Ausbleiben der Blutung ein Warnsignal darstelle und zeige, dass etwas im Energiehaushalt absolut nicht stimme. „Das Essverhalten sollte dann auf jeden Fall an die Trainingsbelastung angepasst werden. Wenn nach drei bis vier Monaten die Periode immer noch nicht eintritt, dann muss man eine gynäkologische Untersuchung durchführen lassen.“ Eine länger anhaltende Amenorrhoe kann schwere Folgen mit sich bringen, die teils auch irreversibel sein können. Zu diesen Folgen zählen unter anderem Osteoporose und ausbleibender Kinderwunsch.

Das andere Extrem ist weniger bekannt, obwohl es rund ein Viertel aller Frauen betrifft: starke Regelblutungen (Hypermenorrhoe), die zu Blutarmut (Anämie) und Eisenmangel führen können.

Die Marathonläuferin (Bestzeit 2:37 h) und Wissenschaftlerin Georgie Bruinvels befragte beim London-Marathon über 1.000 Läuferinnen. 36 Prozent von ihnen litten nach eigenem Bekunden an starken Regelblutungen, ein Drittel hatte in der Vergangenheit mit Blutarmut zu tun gehabt. Zwar nahm die Hälfte von ihnen Eisenmittel, doch nur 22 Prozent hatten einen Arzt oder eine Ärztin konsultiert. Symptome, die auf Blutarmut hindeuten können, sind schnelles Ermüden, Energielosigkeit, Herzrasen und Kurzatmigkeit beim Sport. All dies kann aber auch leicht als mangelnde Fitness interpretiert werden. Doch eine Anpassung des Eisenspiegels an das Normalniveau kann eine enorme Steigerung der Leistungsfähigkeit bewirken.

Wie aber soll man wissen, ob die eigene Regelblutung nun „stark“ ist, ob man also unter Hypermenorrhoe leidet? Als kritisch gilt ein Blutverlust ab 80 Millilitern pro Zyklus. Doch die Menge lässt sich kaum messen, zumal die Menstruation nicht nur aus Blut besteht. Bruinvels entwickelte daher im Rahmen ihrer Doktorarbeit vier konkrete Kriterien für Hypermenorrhoe:

  • Durchbluten von Bettzeug oder Kleidung
  • Ausscheidung großer Blutgerinnsel
  • Notwendigkeit doppelten Menstruationsschutzes
  • Notwendigkeit, Hygieneprodukte häufiger zu wechseln

„Da nicht darüber gesprochen wird, wissen viele Frauen nicht, ob ihre Blutung normal ist oder nicht“, sagt Bruinvels. Sie nehmen die Situation einfach als gegeben hin. Dabei sollte man bei Verdacht auf eine Blutarmut unbedingt zum Arzt.

Pille, Periode verschieben und Leistung: Was du wissen solltest

Starke Blutungen oder ein Eisenmangel durch Blutverlust können deine Laufleistung zwar spürbar bremsen, doch die Lösung ist nicht automatisch die Unterdrückung des Zyklus. Untersuchungen deuten darauf hin, dass Frauen mit einem natürlichen Zyklus leistungsfähiger sind als diejenigen, die hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille nutzen.

Die Sportwissenschaftlerin Saba Shakalio, die seit Jahren zu diesem Thema forscht, betont einen entscheidenden Faktor: Frauen, die die Pille nehmen oder gar nicht menstruieren, verfügen über ein geringeres Level an anabolen (aufbauenden) Hormonen. Da diese Hormone eine zentrale Rolle bei der Regeneration und dem Muskelaufbau spielen, könnten Sportlerinnen ohne natürlichen Zyklus hier einen physiologischen Nachteil haben.

Aber kann ein normaler Zyklus die Leistungsfähigkeit trotzdem mindern? „Ja“, sagt Bruinvels, „wenn sie ihn nicht richtig verstehen und sich nicht darauf einstellen. Viele Läuferinnen bereiten sich überhaupt nicht auf ihren Zyklus vor“, so die Expertin.

Vielleicht hast du schon mal von dem Menstruationshemmer Norethistamin gehört. Diese synthetische Form des Hormons Progesteron verhindert, dass die Gebärmutter ihre Schleimhaut abstößt. Das ist eine Methode, die Blutung zu verschieben. Allerdings hat die Hormonbehandlung Nebenwirkungen, die ebenfalls die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können.

Für Jess Judd waren diese im Jahr 2013 der Anlass, sich öffentlich über ihre Periode zu äußern: Als britische Medaillenhoffnung über die 800 Meter bei den Weltmeisterschaften in Moskau machte sie sich Sorgen über den Zeitpunkt ihres großen Rennens – und nahm Norethistamin. „Ich glaube, das hat meinen Hormonspiegel noch mehr durcheinandergebracht als die Regel“, sagte sie anschließend. „Aber ich hatte keine Wahl. Ich dachte: Alles ist besser, als genau dann die Periode zu kriegen. Aber auch so lief es schlecht: Ich hatte schwere Beine und war an dem Tag emotional sehr aufgewühlt, besonders nach dem Rennen. Ich war nicht ich selbst.“

Auch Paula Radcliffe bekannte, sie habe das Medikament mal genommen, aber anschließend das Gefühl gehabt, es habe alles „hundertmal schlimmer“ gemacht. Und auch Bruinvels ist kein Fan davon: „Effektiv verlängert man damit den prämenstruellen Zustand. Aber das ist meist der Zeitraum, in dem es einem richtig mies geht“, sagt sie. „Wenn schon“, fügt sie hinzu, „sollte man es möglichst ein paar Monate im Voraus nehmen.“ Das setzt natürlich einen regelmäßigen Zyklus voraus, hat aber den Vorteil, dass die potenziellen Nebenwirkungen früher auftreten, wenn sie noch nicht so ins Gewicht fallen, sich aber der Zyklus verschiebt, sodass man am Renntag seine Ruhe hat.

Welchen Einfluss hat die Pille auf die Psyche?

Immer weniger junge Frauen lassen sich die Antibabypille verschreiben. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) nahmen im Jahr 2024 nur noch rund 26 Prozent der versicherten Frauen zwischen 13 und 21 Jahren die Pille – im Vergleich zu 39 Prozent im Jahr 2020.

Viele Frauen verzichten aufgrund ihres Einflusses auf die Psyche auf die Pille. Dass diese hier eine Rolle spielen könnte, legen Untersuchungen von Christine Anderl nahe. Die Wissenschaftlerin an der University of British Columbia erforscht den Zusammenhang zwischen der Pille und Depressionen und analysierte dabei Daten von über 1.200 Frauen aus den USA. Ein zentrales Ergebnis: Der Zeitpunkt der ersten Einnahme ist entscheidend. „Frauen, die bereits in ihren Teenagerjahren mit der Pille begannen, hatten ein 1,7- bis dreifach höheres Risiko, an einer klinischen Depression zu erkranken, als Frauen, die die Pille erst später oder nie eingenommen hatten“, so Anderl.

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