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Laufen mit Gewichten

Hanteln beim Joggen Ist Laufen mit Gewichten sinnvoll?

Haben Sie schon einmal Läufer mit Hanteln oder Gewichtsmanschetten gesehen? Erfahren Sie hier, ob die Methode clever Kraft- und Ausdauertraining kombinieren kann oder nicht.

Haben Sie vielleicht auch schon einen Läufer oder eine Läuferin mit Hanteln in den Händen gesehen? Manche nutzen auch Gewichtsmanschetten, die sie sich um die Handgelenke oder auch um die Fußgelenke schnallen. Da stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, mit Gewichten zu joggen, um dabei zugleich auch die Oberarm- und/oder Brustmuskulatur zu stärken.

Laufen mit Hanteln ist schlecht für den Laufstil

Running-Doc Thomas Wessinghage hat sich mit diesem vermeintlich cleveren Zeitmanagement beschäftigt und sagt: "Wer glaubt, man könne zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn man mit leichten Gewichten in Form von kleinen Hanteln läuft, also Lauftraining mit Krafttraining zu verbinden, der irrt. Denn erstens 'versaut' man sich dabei den Laufstil und zweitens trainiert man uneffektiv – und zwar sowohl, was das Lauftraining, als auch was das Krafttraining angeht."

Mehr Kalorien-Verbrauch? Fehlanzeige!

Auch das Argument, man wolle dadurch mehr Kalorien verbrennen, wenn man mit Gewichten läuft, ist vom Tisch zu wischen. Wer mehr Kalorien verbrennen will, sollte lieber zehn bis 15 Minuten länger laufen. Wer aber die Arm- und Rumpfmuskulatur stärken will, sollte dies am besten zu Hause tun, wenn er dafür nicht ein Studio besuchen will. Mit kleinen Hanteln, einer Übungsmatte (für bequemes Liegen), einem Stuhl oder gar einem Fitball, mit Zugseilen (Trockentraining der Schwimmer) oder Theraband lassen sich bestens effektive Übungen zusammenstellen.

Wer drei- bis viermal (oder gar öfter) in der Woche läuft, kann durchaus zweimal pro Woche ein Kräftigungsprogramm (insgesamt 20 bis 30 Minuten) einbauen, möglichst an lauffreien Tagen bzw. morgens, wenn man nachmittags oder abends läuft, lieber nicht nach dem Laufen, aber durchaus auch vor dem Laufen, wenn nicht ein Tempotraining geplant ist.

Die einzig relevante Kräftigungsübung, ohne die Mitnahme von Gewichten beim Laufen, für die Arm- und Rumpfmuskulatur, die sich im Einklang mit Ausdauer- und Krafteinsatz der Beine in Verbindung bringen lässt, ist Skilanglauf bzw. Skirollertraining in den schneefreien Monaten. Ansonsten lassen sich die beiden Elemente Kraft und Ausdauer so nicht vereinen und schon gar nicht durch Hanteln auf der Laufstrecke.

Besser: Lauftraining am Berg als effektiveres Ganzkörpertraining

Ab und zu sieht man auch Jogger, die mit Gewichtsmanschette am Unterschenkel unterwegs sind. Hier gilt: Lieber einen Anstieg mit kräftigem Armeinsatz hinauflaufen als sich Gewichte ans Bein zu binden. Ein gut dosiertes Lauftraining am Berg kann ein effektiveres Ganzkörpertraining sein als Laufen im Flachen, da neben den Beinen auch der Oberkörper, Bauch- und Beckenbodenbereich trainiert werden.

Emil Zatopek, die Langstrecken-Legende der 50-er Jahre, trainierte in schweren Armeeschuhen, doch u. a. diese "Trainingsmethode" sorgte bei ihm, durch die zusätzlichen Gewichte, für einen fürchterlichen Laufstil.

Die heutigen Laufprofis absolvieren Widerstandsläufe anstatt mit Gewichten zu hantieren, z. B. im Sand (Dünenläufe nach Percy Cerutti), im Wasser (Aquajogging), im Schnee oder im Gelände (ab und zu querfeldein laufen). Doch hier ist Vorsicht geboten, wer sein Lauftraining ab und zu nach diesem Vorbild absolvieren möchte und gerne am Strand im Sand laufen will, sollte langsam anfangen. Laufuntergründe wie Schnee und Sand sind extrem gewöhnungsbedürftig. Ein Drauf-Los-Laufen kann gerade bei Laufeinsteigern leicht zu Verletzungen führen.

Für Laufeinsteiger empfiehlt sich, anstatt Gewichte mit auf die Runde zu nehmen, ein gut dosiertes Lauftraining, das ab und zu normale Steigungen auf Asphalt oder Waldboden beinhaltet.

Fazit: Vor allem Laufeinsteiger sollten auf Gewichte verzichten

Es tut nicht Not, mit Gewichten zu laufen. Es kann sogar verstärkt zu Verletzungen führen. Machen Sie lieber gezielte Kräftigungsübungen um mehr positive Effekte zu erzielen.

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