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Zu viel gelaufen Stressfraktur

Der menschliche Organismus ist imstande, großen Belastungen standzuhalten. Aber auch hier gibt es Grenzen, besonders bei Langstreckenläufern.

Eigentlich weiß es jeder Läufer: Wer gesund bleiben will, muss seinen Trainingsumfang langsam und kontinuierlich anpassen, um seine Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Das bezieht sich sowohl auf die Trainingshäufigkeit als auch auf den Trainingsumfang und die -intensität. Mitunter ist das eine Gratwanderung und die gelingt leider nicht jedem Läufer. Eins ist jedoch sicher: Viel hilft nicht unbedingt viel. Denn der menschliche Körper hat seine eigenen Belastungsgrenzen. Wer diese überschreitet, macht häufig Bekanntschaft mit strukturell bedingten Überlastungssyndromen, die beispielsweise mit einer Stressfraktur enden können.

Ein erhöhtes Risiko für eine Stressfraktur (auch: Ermüdungsbruch) liegt bei Sportlern vor, die einen bestimmten Körperbereich in kurzen Abständen einer immer wiederkehrenden Belastung aussetzen. Dazu gehören insbesondere Langstreckenläufer. Stressfrakturen sind meist eine Folge von wiederholter Überbelastung, die mikroskopische Verletzungen im Muskel- und Skelettsystem verursachen. Stressfrakturen können nahezu in jedem Knochen vorkommen. Bei Läufern tritt eine Stressfraktur typischerweise im Unterschenkel oder am Mittelfuß auf.

Was sind die Symptome bei einer Stressfraktur?

Die Schmerzen in dem betroffenen Bereich können schleichend, aber auch akut auftreten. Zu Beginn werden die Schmerzen nur bei Belastung empfunden, nicht aber in Ruhe. Wird weiterhin hart trainiert, ist der Schmerz auch in Ruhe, oftmals nachts, zu spüren. Charakteristisch für eine Stressfraktur ist, dass der Schmerz während des Laufens nicht abnimmt. Im Bruchbereich tritt eine Schwellung auf, verbunden mit einem dumpfen und möglicherweise pochenden Schmerzgefühl. Ein Hämatom kann als Begleiterscheinung auftreten.

Um die Diagnose der Stressfraktur zu sichern, fertigt der behandelnde Arzt ein Röntgenbild an. Gelingt so kein eindeutiger Nachweis, kann zusätzlich eine Kernspintomographie (MRT) gemacht werden.

Was sind die Ursachen für eine Stressfraktur?

Damit der menschliche Knochen optimal belastbar ist, passt der Körper dessen Struktur durch fortlaufende Auf- und Abbauprozesse an Belastungen und sportliche Anforderungen an und das so ökonomisch wie möglich. Gerät das Verhältnis aus Neubildung und Abbau des Knochens aus dem Gleichgewicht, kann eine Stressfraktur entstehen.

Den meisten Stressfrakturen geht eine Entzündung wie beispielsweise das Schienbeinkantensyndrom (Shin Splints) voraus. Stressfrakturen können nach normaler Belastung mit hoher Wiederholungszahl, wie sie bei allen Langstreckenläufen auftritt (z. B. Halbmarathon, Marathon, Ultramarathon), bei hoher Belastung mit normaler Wiederholungszahl oder bei hoher Belastung mit hoher Wiederholungszahl auftreten. Stressfrakturen der Zehengelenke gehen häufig schwarze Zehennägel, Hühneraugen oder Schwielen voraus, die ein Zeichen von punktueller Überlastung des Fußes sind.

Eine Stressfraktur kommt bei Frauen häufiger vor als bei Männern. Bei Läufern, die mehr als 100 km pro Woche laufen, sowie Frauen mit Menstruationsbeschwerden und Essproblemen ist die Inzidenz von Stressfrakturen erhöht. Häufig tritt eine Stressfraktur auch in Kombination mit Fußfehlstellungen auf.

Zwei Theorien versuchen die Stressfraktur zu erklären: Die Ermüdungstheorie besagt, dass die Muskulatur bei wiederholter anstrengender Belastung zu stark ermüdet und dadurch die Kraft, die beim Laufen auf das Skelettsystem einwirkt, durch die Muskulatur nicht mehr absorbiert werden kann. Dadurch wirkt die Kraft ungehindert auf den Knochen ein, bis der Knochen der Belastung nicht mehr standhalten kann. Die Überlastungstheorie besagt, dass die beim Laufen stattfindenden Kontraktionen, die auf das Schienbein (Tibia) einwirken, so hohe Spannungen erzeugen, dass der Knochen zu stark gebogen wird, bis er schließlich bricht.

Wie wird eine Stressfraktur behandelt?

Bei Verdacht auf eine Stressfraktur sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, damit schnellstmöglich eine sichere Diagnose gestellt werden kann. Da die Stressfraktur durch Überbelastung entsteht, hilft letztlich eine Reduzierung der Belastung am besten. Der betroffene Bereich sollte über einen vom Arzt vorgegebenen Zeitraum geschont werden, bis die Schmerzen abgeklungen sind und deutliche Zeichen der Heilung auf den Röntgenbildern sichtbar sind. Es kann unter Umständen auch notwendig sein, einen Gehgips anzubringen.

Die Dauer der Belastungsreduktion richtet sich nach dem von der Stressfraktur betroffenen Knochen. Diese beträgt bei konservativer Therapie in den meisten Fällen sechs bis acht Wochen. Bei Ermüdungsfrakturen der endständigen Zehengelenke können Sie je nach Schwere des Bruchs auch schon nach zwei Wochen wieder mit einer bedachten Belastungssteigerung starten. Gleiches gilt, wenn der Arzt lediglich eine beginnende Entzündung der Knochenhaut diagnostiziert hat, die jedoch eine Stressfraktur zur Folge haben könnte. In diesem Fall ist es besonders wichtig, dass mögliche Risikofaktoren eliminiert werden.

Stressfrakturen, die häufig nicht konservativ behandelbar sind, sondern eine Operation erforderlich machen, sind Frakturen im Bereich des vorderen Unterschenkels (Schienbein, Tibiaschaft), des Kahnbeins (Fußwurzelknochen, Os naviculare) oder der Basis des großen Zehenknochens (Os metatarsale V). Bei diesen drei Knochen muss mit einer Unterbrechung des Lauftrainings von (mindestens) acht bis zwölf Wochen gerechnet werden.

Um nicht völlig die sportliche Fitness zu verlieren, sollten Sie Ihr Ausdauertraining, wenn möglich, auf das Rad oder ins Schwimmbad verlegen und schrittweise die sportliche Aktivität wieder aufnehmen, sodass Alltagsaktivitäten schmerzfrei durchführbar sind.

Wie kann man einer Stressfraktur vorbeugen?

Das Training sollte immer nach der momentanen Belastbarkeit des Körpers ausgerichtet werden, damit das Gewebe genug Zeit bekommt, sich adäquat an die Anforderungen anzupassen. Nach einer einwöchigen Erkältungspause beispielsweise ist es nicht sinnvoll, an derselben Stelle des Trainingsplans wieder einzusteigen, an der die Erkältungssymptome erstmals auftrat. Gesünder ist es, im Trainingsplan eine Woche zurückzugehen und dem Körper die Möglichkeit zu geben, sich zunächst wieder an die Belastung zu adaptieren.

Gerade bei Stressfrakturen ist es wichtig, Risikofaktoren im Vorfeld zu erkennen, zu analysieren und zu beseitigen. Dazu gehören auch Faktoren, die man auf den ersten Blick evtl. nicht in Betracht zieht, wie zum Beispiel Menstruationsstörungen (insbesondere bei jungen Frauen) oder Essstörungen. Sowohl Menstruationsstörungen als auch Essstörungen beeinträchtigen den Knochenstoffwechsel und damit die Festigkeit und Belastbarkeit des Knochens.

Ein regelmäßiges Athletiktraining reduziert muskuläre Dysbalancen, die punktuelle Belastungsspitzen in einem einzelnen Knochenbereich provozieren können. Eine Laufanalyse kann einseitige Belastungsfehler aufdecken und so dabei helfen, das muskuläre Gleichgewicht des Körpers mit gezielten Kräftigungsübungen wiederherzustellen.

Das Schuhwerk und die Laufausrüstung spielen ebenfalls eine große Rolle. Wichtig hierbei ist es, die Knochengeometrie und biomechanische Auffälligkeiten zu beachten. Die Wirkung von (dämpfenden) Einlagen zur Vorbeugung von Ermüdungsbrüchen ist umstritten.

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