iStockphoto

Gesünder kleben Kinesiotaping – Klebeband als Therapie

Kinesiologische Tapes zur Verletzungsprophylaxe oder Regeneration – viele Sportler schwören darauf. Doch wie wirken diese "Klebebänder"?

Kennen Sie Alfred Nijhaus? Ausgerechnet diesem niederländischen Fußballspieler verdanken wir, dass Kinesio-Taping in Deutschland und Europa überhaupt bekannt ist. Nach Stationen unter anderem beim MSV Duisburg und Borussia Dortmund spielte Nijhaus zu seinem Karriereende in Japan und wurde dort mit Tapes behandelt. Er war so begeistert davon, dass er die Methode mit in die Niederlande und später auch zu Borussia Dortmund brachte.

Was aber ist Kinesio-Taping überhaupt?

Kinesio geht auf das griechische Wort „kinesis“, Bewegung, zurück, Taping kommt vom englischen Begriff „tape“ und bedeutet Band beziehungsweise Klebeband. Zusammen­genommen steht der Name Kinesio-Taping für eine schnelle, kostengünstige und effektive Therapieform, die schon vielen Läufern wieder auf die Beine geholfen hat.

Wann kann ich kinseiologisches Taping anwenden?

Die Einsatzgebiete von Kinesio-Tapes sind sehr vielfältig. Meistens werden sie bei muskulären Problemen, Sehnen- oder Gelenkschmerzen angewendet. Dazu gehören zum Beispiel Muskelverspannungen - und verletzungen, Sehnenscheidenentzündungen, Bandverletzungen, Arthrose und Rückenschmerzen. Teilweise werden sie verwendet um Fehlhaltungen und Haltungsschwächen zu korrigieren oder Verletzungen präventiv zu behandeln.

Typische Läufer-Verletzungen bei denen Kinesio-Tapes angewendet werden sind:

  • Achillessehnenentzündung
  • Plantarfaszitis
  • Muskelfaserriss
  • Patellasehnenreizung
  • Schienbeinkantensyndrom
  • Stabilisierung von Gelenken wie Knie oder Sprunggelenk

Bei offenen Wunden, noch nicht verheiten Narben, einer Allergie gegen Acrylatklebstoffe sowie dünner oder pergamentartiger Haut (z.B. bei Neurodermitis) gilt es eine Tape-Therapie zu vermeiden.

Die Wirkungsweise von Kinesio-Tapes

Die Grundform des Taping wurde von dem japanischen Chiropraktiker und Kinesiologen Kenzo Kase bereits Anfang der Siebzigerjahre entwickelt. Während bis dato beim Taping ausschließlich starre und damit rein stützende beziehungsweise stabilisierende Bänder eingesetzt wurden, legte Kase elastische Tapes an. Durch die spezifische Art des Anlegens auf die Haut und die besondere Anordnung erzielte er eine stimulierende Wirkung auf Muskelpartien, Gelenke sowie das Lymph- und Nervensystem. Kase orientiert sich dabei an anatomischen Gegebenheiten wie dem Verlauf von Muskeln und Nerven. Das Tape wird mit unterschiedlichem Zug auf die vorgedehnte oder auch entspannte Muskulatur geklebt. Durch das Aufkleben auf die Haut und der damit verbundenen Irritation wird der darunter liegende Schmerz erst einmal überdeckt und im besten Fall nicht mehr wahrgenommen. Gleichzeitig erhält der Körper durch das Tape mit jeder Bewegung eine Art Massage. „Die permanente Stimulation fördert die Durchblutung, und die Selbstheilungsprozesse im Körper werden aktiviert. Schon nach wenigen Augenblicken tritt Linderung ein, das Tape ist wie eine zweite Haut“, erläutert Karsten Kühl, Orthopäde und Sportmediziner aus Stade, der seine Patienten seit 2006 mit Taping behandelt. „Die Nachfrage ist groß, vor allem bei Sportlern.“ Kühl hat sich auf das sogenannte Aku-Taping spezialisiert, bei dem die Tapes entsprechend den Prinzipien der Akupunktur und Osteopathie geklebt werden. Klagt ein Patient über Knieschmerzen, wird nicht nur dieser Bereich lokal getapt, sondern auch die zum Gelenk führende Muskulatur.

Verschiedene Therapieformen des Kinesio-Tapings

Die Methodik des Taping ist nicht geschützt, entsprechend viele Varianten gibt es mittlerweile. Alfred Nijhaus hat das Medical Taping Concept auf Basis der ja­panischen Ursprünge entwickelt. Das Medi-Taping wird von Dieter Sielmann er­folgreich bei Sportlern eingesetzt. So auch das Aku-Taping, bei dem Hans-Ulrich Hecker und Kay Liebchen die Vorreiter sind und entsprechend der Prinzipien der Akkupunktur und Osteophatie tapen. Weniger sportlich ambitioniert ist das Dolo Taping. Es wird vor allem zur Schmerz­therapie eingesetzt und folgt einer ganzheitlichen Betrachtung des Körpers. Gesundheits-Tape, Bewegungs-Tape oder auch Läufer-Tape sind weitere Eigenkreationen, hinter denen jedoch keine ausgefeilte The­rapieform steckt.

Beim Tapen etwas falsch machen?

Anwenden kann und darf das Taping theoretisch jeder, denn eine spezielle Qualifikation ist nicht notwendig, und so wundert es wenig, dass es bereits „Taping-Therapeuten“ gibt, die ihr Know-how einer kleinen Faltbroschüre verdanken. Die gute Nachricht an dieser Stelle: Taping schadet nicht, selbst wenn es falsch angewendet wird. „Im schlimmsten Fall ist die Wirkung gleich null“, weiß Karsten Kühl, „und das passiert schnell, wenn die Tapes falsch an­gelegt oder zugeschnitten werden.“

Das hat sich Heidelberger Unternehmen "TRUETAPE" zu Nutzen gemacht und Tapes entwickelt, die bereits vorgeschnitten sind und nur noch auf die Haut aufgeklebt werden müssen. Für eine korrekte Anwendung wird eine genaue Anleitung mitgeliefert. Als weitere Hilfe dienen die auf der Homepage hinterlegten Videos. Mittlerweile gibt es auch einige Bücher und unzählige Internet-Seiten, in denen das Zuschneiden und Aufkleben präzise erklärt wird. Für wen das dennoch zu suspekt erscheint: Es spricht nichts gegen einen Besuch beim Spezialisten. Der hat zudem noch Hintergrundwissen zur Anatomie des menschlichen Körpers.

Einen Wettkampf mit Tape absolvieren?

Für Sportler und Läufer im Speziellen ist das Taping wie geschaffen. „Beim Laufen werden bekanntermaßen sehr viele Muskelgruppen aktiviert, das kommt der Wirkungsweise des Taping sehr entgegen“, erläutert Kühl. Typische Läuferbeschwerden wie leichte Knie- oder Rückenschmerzen lassen sich bestens damit behandeln. Einen Marathon mit einem Tape zu laufen kann durchaus empfehlenswert sein. Zum einen als Prophylaxe vor eventuellen Schmerzen an bekannten Schwachstellen, zum anderen kann damit offenbar auch die Leistungs­fähigkeit erhöht werden. Medi-Taping-Experte Dieter Sielmann zumindest beobachtete, dass Läufer mit Waden-Tapes ihre Zeiten deutlich verbessern konnten und weniger erschöpft waren. Seine Begründung: Durch die lymphatische Massage werde der Stoffwechsel derart erhöht, dass es zu keiner Übersäuerung käme.

Taping ist kein Allheilmittel

Bei allen positiven Aspekten sollte jedoch nicht übersehen werden, dass Taping kein Allheilmittel ist und bei Beschwerden, die nicht vornehmlich mus­kulärer Natur sind, auch nicht helfen kann. So müssen zum Beispiel starke Knieschmerzen, die auf einen Knorpelschaden zurückzuführen sind, anders therapiert werden. Und wenn Rückenprobleme auf einen falschen Laufstil be­ruhen, dann helfen auch die bunten Streifen nicht viel. Schlägt eine eigens angefangene Tape-Therapie nicht an, ist es spätestens dann empfehlenswert einen Arzt aufzusuchen.

Zusammensetzung der Tapes

Die meisten Tapes bestehen aus Baumwollgewebe, das mit Elastanfasern durchzogen wird, um Elastizität zu erreichen. Im Leistungssport finden Tapes aus Kunstfasern wie Rayon mehr Anwendung, da sich diese auf 180 - 200 % der eigentlichen Länge dehnen lassen und im Gegensatz zu den Baumwoll-Tapes leichter sind. Mithilfe eines hautverträglichen Acrylklebers, der durch Wärme aktiviert wird, hält ein Tape bis zu zehn Tagen. Um die Haftung eines Tapes an der Haut zu erhöhen, kurz vor Gebrauch das Tape zwischen den Handflächen aufwärmen und nach dem Aufkleben mehrmals mit der flachen Hand darüber fahren. Duschen und Waschen übersteht es problemlos, wobei längere Wasseraufenthalte wie zum Beipsiel beim Schwimmen, die Klebestärke verringern.

Kinesio-Tapes gibt es in unterschiedlichen Größen. Die meisten sind 5 cm breit, wobei es auch schmalere Tapes mit 2,5 cm oder breitere mit 7,5 cm Breite gibt. Erhältlich sind in der Regel fünf Meter lange Rollen, die es bereits für circa zehn Euro gibt. Im Vergleich dazu: Das professionelle Anlegen durch einen Physiotherapeuten oder Arzt ist oft ab circa 15 Euro erhältlich. Die Krankenkassen übernehmen diese Kosten nicht.

Kleine Farbenlehre – Bedeutung der verschiedenen Farben

Ob die Tapes blau, rot, schwarz oder hautfarben sind, ist nicht nur Geschmackssache, an diesem Punkt scheiden sich auch die (Taping-)Geister. Was für den einen eine Frage der Mode oder Unauffälligkeit ist, ist für den anderen Bestandteil der Therapie. Denn gemäß der unbestrittenen Wirksamkeit von Farben ist Rot anregend, Blau beruhigend und Schwarz stabilisierend. An dieser Stelle spielt sicher auch die Kraft der Suggestion eine große Rolle. Denn obwohl viele Patienten von der unterschiedlichen Wirksamkeit der farbigen Tapes sprechen, verfügen die bunten Klebestreifen tatsächlich über keinerlei Inhaltsstoffe. Wenn sie jedoch die Selbstheilungsprozesse im Körper anregen, haben sie ihre Funktion auf jeden Fall erfüllt. Es bleibt also jedem selbst überlassen, ob er den unterschiedlichen Farben Beachtung schenkt oder nicht.

Wo sind Kinesio-Tapes erhältlich?

Häufig werden Kinesio-Tapes über das Internet bestellt. Da sind unzählige Anbieter vertreten, die Tapes in allen möglichen Formen, Farben und Größen anbieten. Wer lieber in örtlichen Geschäften einkaufen geht, wird in der Regel in einer Apotheke fündig. Manchmal können Kinesio-Tapes aber auch in einem Lebensmittelhandel, wie zum Beispiel bei Aldi erworben werden. Die Auswahl ist hier allerdings etwas geringer als bei einer Online-Bestellung.

Qualitativ können sich die Tapes vor allem in der Elastizität und der Klebefähigkeit unterscheiden. Welches das beste Kinesio-Tape ist muss hier jeder für sich selber entscheiden. Das hängt auch von der individuellen Hautverträglichkeit der Tapes ab.

Fazit

Kinesio-Tapes sind verienfacht gesprochen dehnbahre Klebebänder, die vor allem bei muskulären Problemen, Sehnen- oder Gelenkschmerzen direkt auf die Haut geklebt werden. Teilweise werden sie aber auch verwendet um Haltungsschwächen zu verbessern oder Verletzungen vorzubeugen. Für Schmerzen, die nicht nur muskulärer Natur sind, lohnt sich ein Besuch zum Arzt. Denn Tapes sind kein Allheilmittel und können zum Beispiel Rückenschmerzen durch einen falschen Laufstil auch nicht beheben.

Mit dem Aufkleben auf die Haut und der damit verbundenen Irritation wird der darunter liegende Schmerz erst einmal überdeckt und im besten Fall nicht mehr wahrgenommen. Gleichzeitig erhält der Körper durch das Tape mit jeder Bewegung eine Art Massage. Die permanente Stimulation fördert die Durchblutung, und die Selbstheilungsprozesse im Körper werden aktiviert. Über die unterscheidliche Wirkung der Tape-Farben lässt sich streiten. Da die bunten Klebestreifen keinerlei Inhaltsstoffe enthalten, ist es jedem selber überlassen, ob er der Farbe eine Bedeutung schenkt oder nicht.

Falsch machen beziehungsweise eine Verschlechterung erzielen ist mit dem Taping nahezu unmöglich. Ist ein Tape falsch angebracht passiert nichts, denn die Wirkung ist dann gleich null. Damit das Tape richtig aufgeklebt wird, lohnt es sich das von einem Arzt oder Physiotherapeuten zeigen zu lassen. Erworben werden können Tapes entweder über das Internet oder in Apotheken. Teilweise gibt es auch Discounter wie Aldi, die Tapes im Sortiment haben.

Zur Startseite
Gesundheit Verletzungen & Vorbeugung Langzeitfolgen vom Laufen Tibiakopffraktur

Dagegen schützt: ausreichend Bewegung und eine Portion Vorsicht.