Effektives Ausdauertraining für Fußballer

Fußballspezifische Ausdauer verbessern
Ausdauertraining für Fußballer

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 24.02.2026
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Fußballspieler beim Sprinttraining
Foto: Getty Images

Wie fit sind Fußballspieler und Fußballerinnen wirklich? Diese Frage treibt viele Läuferinnen und Läufer um. Verständlicherweise, da man viele Feldspieler im Laufe eines 90-minütigen Spiels oft nur trabend wahrnimmt. Doch obwohl Fußballer keinen Marathon laufen, kommen während eines Spiels allerhand Kilometer zusammen – allerdings anders. Doch wie viel Ausdauer ist für Fußballerinnen und Fußballer wirklich notwendig? Wir vergleichen ihr Ausdauertraining mit dem klassischen Lauftraining und geben Tipps.

Wie fit sind Fußballer wirklich?

Profi-Fußballer laufen deutlich mehr, als viele vermuten. Auch das ständige Wechselspiel zwischen Gehen, Traben, Tempoverschärfungen und maximalen Sprints macht den Fußball zu einer hochkomplexen Intervallbelastung – vergleichbar mit einem permanenten Fahrtspiel, nur unter Wettkampfbedingungen und natürlich unter Druck des gegnerischen Teams.

Die reine Kilometerzahl eines Fußballers mag unter der eines ambitionierten Halbmarathontrainings liegen, doch die Intensitätsspitzen sind enorm. Wiederholte Sprints, abrupte Richtungswechsel, Zweikämpfe und Sprünge fordern neben der aeroben Ausdauer vor allem die anaerobe Kapazität, die Schnellkraft und die koordinativen Fähigkeiten. Eine moderne Fußballerin muss also nicht nur „fit“ im klassischen Sinne sein, sie braucht auch eine Mischung aus Ausdauer, Explosivität und Beweglichkeit.

So viele Kilometer laufen Fußballer im Spiel

Heutzutage sind alle Fußballer körperlich austrainiert und fit. Kein Verein kann sich mehr konditionsschwache Kicker leisten, denn zu hoch ist das Niveau insgesamt und zu schnell sind die Spiele geworden. Weltklasse-Mittelfeldspieler wie Christiano Ronaldo würden daher problemlos die zehn Kilometer unter 35 Minuten laufen, wenn sie es müssten. Mittlerweile lässt sich im Profifußball jeder Weg, den ein Spieler im Spiel geht, aufzeichnen und anschließend auswerten. Mängel in Kondition und Fitness würden dabei sofort erkennbar, an ihnen wird im Training auch hinreichend gearbeitet.

In einer Top-Partie der Champions League kommt ein zentraler Mittelfeldspieler im Durchschnitt beispielsweise auf Spielkilometer von rund zehn Kilometern. Etwa vier Kilometer absolvieren die Spieler im lockeren Joggingtempo, zwei Kilometer in höherem, intensivem Tempo und rund 900 Meter im Sprint. Hinzu kommen rund zwei Kilometer im Vorwärtsgehen sowie etwa 600 Meter im Rückwärtslaufen. Die Herzfrequenz liegt dabei meist über 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz, und es werden auch Laktatwerte erreicht, wie sie bei Läuferinnen und Läufern während eines 10-km-Wettkampfs zu beobachten sind. Ein Fußballspiel mit hohem läuferischen Einsatz (Mittelfeld, Verteidiger mit Offensivdrang) ist am ehesten vergleichbar mit einem sehr ausgedehnten Intervalltraining bzw. Fahrtspiel.

Welche Arten der Ausdauer trainieren Fußballer?

Eine viel beachtete Untersuchung aus dem Jahr 2001 von Professor Kindermann von der Universität Saarbrücken zeigte, dass Fußballspitzenspieler eine Ausdauerleistungsfähigkeit besitzen, die der eines guten 400-m-Läufers entspricht. Kindermann führte sehr plausibel aus, dass entscheidend für das konditionelle Profil eines Fußballers eine adäquate Mischung aus Ausdauer und Schnelligkeit sei.

Das Überraschende an seiner Untersuchung war allerdings, dass sich die konditionellen Fähigkeiten deutscher Spitzenfußballer im Verlauf der Neunzigerjahre nicht verändert hatten. In einer medienwirksamen Diskussion im Jahr 2019 meldete sich Kindermann ebenfalls zu Wort und setzte die 2001er-Studienergebnisse fort, wobei er darauf hinwies, dass sich die Kondition der aktuellen Nationalspieler immer noch mit jener der Neunzigerjahre messen kann.

Das Ausdauerniveau scheint bei Fußballern also über Jahrzehnte hinweg konstant hoch zu sein. Bei Kindermanns Untersuchung wurde zudem deutlich, dass Mannschaften unterer Klassen in der Regel versuchen, Schnelligkeitsdefizite über die Ausdauer zu kompensieren.

Was zeichnet fußballspezifische Ausdauer aus?

Für das komplexe Anforderungsprofil im Fußball ist eine breite Kondition erforderlich. Das brauchst du:

Ausdauer

Ein Fußballspieler muss in der Lage sein, ein Spiel über mindestens 90 Minuten auf konstant hohem Niveau zu absolvieren. Diese Ausdauerleistung bildet die Grundlage dafür, auch in der Schlussphase noch entscheidende Aktionen setzen zu können.

Schnelligkeit

Für rasante Ballkombinationen und blitzschnelle Konter braucht es eine ausgeprägte Sprintfähigkeit. Spieler müssen in kürzester Zeit viel Strecke zurücklegen – oft im direkten Duell mit dem Gegner. Entsprechend hoch ist der Sprintanteil im modernen Fußball, gerade in intensiven Spielphasen. Regelmäßiges Sprinttraining ist daher unverzichtbar, um Antritt, Endgeschwindigkeit und Wiederholungssprints auf konstant hohem Niveau abrufen zu können. Schließlich ist Fußball immer auch ein Wettlauf um den Ball.

Reaktionsfähigkeit

Links-rechts-links-rechts-Kombinationen, das schnelle Umschaltung von der Vorwärts- in die Rückwärtsbewegungen und peripheres Sehen lassen die Gehirnsynapsen auf Hochtouren laufen.

Beweglichkeit

Das Dribbeln und Laufen mit Ball erfordert ein hohes Maß an Technik und Beweglichkeit. Fußball ist anders als Laufen keine monotone und zyklische Sportart, sondern zeichnet sich durch dauernde Bewegungsänderungen aus.

Körperstabilität

Fußball ist und bleibt ein Kontaktsport. Zweikämpfe, Kopfbälle, Standardsituationen laufen nicht ohne Körperkontakt ab. Krafttraining ist für Fußballer genauso wichtig wie Ausdauertraining.

So trainierst du die Ausdauer im Fußball am besten

Schnelligkeit hat man oder man hat sie nicht, das ist mehr oder weniger genetisch festgelegt, an der Ausdauer kann man aber erstaunlich schnell und erfolgreich arbeiten. So wie ein Bundesliga-Stürmer die zehn Kilometer nicht unter 35 Minuten laufen muss, sondern besser die 100 Meter unter elf Sekunden und ein Top-Mittelfeldspieler nicht einen Marathon durchlaufen muss, sondern besser die 400 Meter unter 50 Sekunden und die 800 Meter unter zwei Minuten, so sollte auch ein „normaler“ Fußballer seinen Spielansprüchen entsprechend sein Ausdauerleistungsniveau trainieren.

Jede Fußballerin braucht zunächst eine solide Grundlagenausdauer. Sie bildet das Fundament für alle weiteren Belastungen und sorgt dafür, dass das Herz-Kreislauf-System auch über 90 Minuten stabil arbeitet. Ohne diese Basis würden dich die wiederholten Sprints, Zweikämpfe und Richtungswechsel deutlich schneller ermüden. Moderate Dauerläufe im lockeren bis mittleren Intensitätsbereich sind ideal, um die aerobe Leistungsfähigkeit zu verbessern und die Regenerationsfähigkeit zwischen intensiven Aktionen zu erhöhen.

Fußballspezifische Ausdauer entsteht dann durch gezielte Belastungswechsel. Entscheidend ist die Fähigkeit, wiederholt hohe Intensitäten abzurufen und sich dazwischen schnell zu erholen. Deshalb sollten Fußballer ihr Training aus einer Kombination aus Intervallläufen, Tempowechseln und spielnahen Belastungsformen aufbauen. Klassische Dauerläufe im moderaten Tempo können also die Grundlagenausdauer stabilisieren, bilden aber nur das Fundament. Den entscheidenden Unterschied machen intensive Intervalle – etwa 4- bis 6-minütige Belastungen im Schwellenbereich, kurze Sprints oder Fahrtspiele mit wechselnden Tempi.

Hier findest du Trainingspläne für alle Zielzeiten über 10 Kilometer, die du gut als Ausgangsbasis verwenden kannst:

Weitere Trainingsbausteine

Fußballspezifische Ausdauer bedeutet vor allem: schnelle Wechsel zwischen aerober und anaerober Energiebereitstellung. Während ein Halbmarathonläufer über weite Strecken im aeroben Bereich bleibt, springt ein Fußballer permanent zwischen:

  • niedriger Intensität (Gehen/Traben)
  • Schwellenbereich
  • maximaler anaerober Belastung (Sprints)

Für diese „Stop-and-Go-Physiologie“ brauchst du eine hohe Laktattoleranz und eine schnelle Erholungsfähigkeit zwischen den Aktionen. Genau diese Fähigkeit – sich schnell von Belastung zu erholen – unterscheidet Fußball-Ausdauer fundamental vom klassischen Dauerlauf.

Trotzdem dürfen Fußballer die Ballarbeit keinesfalls zugunsten reiner Ausdauereinheiten vernachlässigen. Techniktraining ist alles andere als statisch – es bedeutet permanente Bewegung. In Spielformen, Passübungen oder Positionsspielen wird nahezu durchgehend gelaufen, beschleunigt und wieder abgebremst. Auch die Pausen zwischen einzelnen Übungen sind meist kurz, die Abläufe eingespielt. Längere Stehzeiten, in denen Inhalte erklärt werden müssen, sind im leistungsorientierten Training selten.

Wer einmal ein modernes Fußballtraining von Beginn bis Ende verfolgt hat, erkennt schnell: Je nach Saisonphase variieren Schwerpunkte und Intensitäten. In der Vorbereitung dominieren häufig konditionelle Inhalte, während in der Wettkampfphase mehr Spielformen integriert werden. Dennoch lassen sich bestimmte Bausteine in nahezu jeder Trainingswoche wiederfinden:

Häufige Fragen zu Ausdauertraining für Fußballer

Fazit