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Lauftechnik: Fersen- oder Vorfußlauf Vorfuß, Mittelfuß oder Ferse: Wie setzt man beim Laufen richtig auf?

Viele Einsteiger fühlen sich unsicher, wenn es um ihren Laufstil und den richtigen Fußaufsatz geht. Sie fragen sich: Muss ich auf dem Vorfuß landen, um ein guter Läufer zu werden? Alles Wissenswerte zum Vorfuß-, Mittelfuß- und Fersenaufsatz.

Jeder Mensch läuft anders. Die meisten Läufer landen auf der Ferse, rollen über den ganzen Fuß ab und stoßen sich über Vorfuß und Zehen ab. Bei diesem Lande- und Abrollvorgang spricht man vereinfachend von Fersenläufern.

Die Mittelfußaufsetzer dagegen haben den ersten Bodenkontakt mit dem Mittelfuß. Der Fuß zeigt bei der Landung nicht mit der Spitze nach oben wie beim Fersenläufer, sondern bewegt sich mit der Außensohle parallel auf den Boden zu. Dabei ist der Fuß meistens leicht quer zur Laufrichtung angewinkelt, trifft also mit der äußeren Seite der Sohle zuerst auf den Boden.

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Ein geringer Prozentsatz der Läufer ist als Vorfußläufer unterwegs. Meist sind es die schnelleren Sportler, denn beim ganz schnellen Laufen, beim Sprinten, wird man automatisch zum Vorfußläufer: Sprinter setzen nur mit dem Ballen auf und drücken sich dann auch gleich wieder ab. Mittelfuß oder gar die Ferse berühren zwischen Landung und Abstoß nicht oder nur ganz kurz den Boden. Deshalb haben die Sprinter-Schuhe die Spikes auch nur im Ballen- und Zehenbereich, also in der vorderen Außensohlenpartie. Auch beim Barfußlaufen oder in Barfußlaufschuhen wird man meist zum Vorfußläufer.

Den richtigen Laufstil gibt es nicht

Aber gerade Laufanfänger werden oft mit dem Argument konfrontiert, die Landung auf dem Vorfuß sei besser und vorteilhaft für die Gelenke, weil so die Aufprallenergie besser von der Beinmuskulatur abgefedert würde, als dies bei der Fersenlandung der Fall ist. Es gibt einige Für und Wider, aber Läufern den Wechsel zum Vorfuß-Laufstil zu empfehlen, hat sich als falsch erwiesen. Denn erstens gibt es keinen objektiv richtigen Laufstil. Zweitens gibt es keine Normen, was den Laufstil angeht; jeder Mensch läuft anders. Drittens gibt es keine wissenschaftlichen Belege, dass die Verletzungshäufigkeit bei Vorfußläufern geringer ist als bei Fersenläufern. Vorfußläufer haben im Bereich der Ferse und der Wadenmuskulatur sogar ein höheres Verletzungsrisiko.

Zwei Drittel bis 80 Prozent sind Fersenläufer

Vorfußläufer sind meist ambitionierte und schnelle Läufer. Die meisten Läufer landen wie gesagt zuerst mit der Ferse, Untersuchungen sprechen von zwei Drittel bis über 80% der Läufer. Entsprechend sind die meisten Laufschuhe für diese große Zielgruppe konstruiert. Grundsätzlich ist der Laufstil individuell verschieden und hängt stark von der körperlichen Veranlagung ab, etwa von Faktoren wie Körpergröße, Gewicht, Beinlänge, Fußstellung, kurz: der Körperstatik.

Aber auch Körperhaltung, Lauftempo, Laufuntergrund oder Streckenprofil spielen eine Rolle. Nicht zuletzt sind Trainingszustand und Flexibilität des Bewegungsapparates sowie das Alter wichtige Variablen: Oft verändert sich der Laufstil mit dem Trainingszustand – oder sogar auch innerhalb eines Laufes, wenn der Körper aufgewärmt und elastischer ist. Für alle Läufer sind Kräftigungs- und Stretchingübungen unbedingt empfehlenswert, und sie sollten gerade für Anfänger einen festen Teil im Trainingsprogramm einnehmen. Die Stärkung der Muskeln im gesamten Körper ist für eine gute Laufhaltung und einen beschwerdefreien Abrollvorgang des Fußes maßgeblich.

Die Aufpralldämpfung beim Laufen

Evolutionsgeschichtlich ist der Mensch ein Kreuzgänger. Jeder Laufschritt ist ein Sprung und der gesamte Körper verdreht sich dabei spiralförmig. Man springt mit einem Bein ab und landet auf dem anderen Bein, beziehungsweise auf dem anderen Fuß. Bei jedem Laufschritt landet deshalb weit mehr als das eigene Körpergewicht auf einem Fuß, durch die Sprungbewegung erhöht sich die Aufprallkraft auf das Eineinhalb- bis Dreifache des Körpergewichts. Am stärksten wirken diese Kräfte beim Bergablaufen.

Der Laufschuh leistet in jedem Fall, ob Fersen- oder Vorfußlandung, im Vergleich zur Beinmuskulatur den geringeren Beitrag bei dieser Aufpralldämpfung. Das Dämpfungsverhalten eines Laufschuhs ist bei regelmäßigem Laufen auf Asphalt dennoch von großer Bedeutung. Aber die beste Methode, die Gelenke zu schonen, ist eine gut ausgebildete Beinmuskulatur, vor allem im Oberschenkel- sowie im Hüft- und Gesäßbereich. Wenn dabei auch das Dehnen nicht vernachlässigt wird, sind optimale Voraussetzungen gegeben, Überlastungsbeschwerden gar nicht erst auftreten zu lassen. Das gilt für Anfänger genauso wie für Profis.

Vorsicht mit dem Vorfuß

Vorfußlaufen belastet Wade und Achillessehne sehr stark, weil bei jeder Landung sowie der dann folgenden Abdruckbewegung erhebliche Zugkräfte auf die Wade und auf den Achillessehnenansatz am Fersenbein wirken. Das kann Reizungen, entzündliche und im schlimmsten Falle chronische Beschwerden hervorrufen. Regelmäßiges Dehnen ist daher eine der Grundpflichten des Vorfußläufers.

Variables Training statt Laufstil-Umstellung

Wer läuft, sollte vor allem Gleichförmigkeit vermeiden. Unterschiedliches Tempo gehört genauso zu einer gesunden Abwechslung wie das Laufen auf unterschiedlichem Terrain und mit unterschiedlichem Streckenprofil. Gerade in der wärmeren Jahreszeit ist Barfußlaufen auf gepflegtem Rasen eine ideale Trainingsergänzung, bei der die meisten Läufer unbewusst den Vorfußlauf praktizieren. Dabei wird die gesamte Fuß- und Unterschenkelmuskulatur auf natürliche Weise trainiert. Zusätzlich lassen sich auf Rasen (nicht auf Sand!) Übungen wie Skippings, Anfersen oder Kniehebelauf durchführen.

Fehler vermeiden beim Fersenlauf

Diese Übungen helfen auch, den eigenen Laufstil – wie immer man auch mit dem Fuß aufsetzt oder abrollt – effizienter zu machen. Ob Laufanfänger oder trainierter Läufer: Die Verbesserungsmöglichkeiten bezüglich der Lauftechnik sind meistens die selben. Viele Läufer machen nämlich zu lange Schritte und haben eine niedrige Schrittfrequenz. Oft werden durch gut gedämpfte Laufschuhe zu lange Schritte provoziert, das Knie ist dabei zu gestreckt und der Fußaufsatz weit vor dem Körperschwerpunkt. Entsprechend setzt die Ferse weit vorne auf. Das belastet vor allem das Knie. Ziel sollte sein, den Fußaufsatz nahe unter den Körperschwerpunkt zu bringen – und dabei kann als Trainingsform das bewusste Vorfußlaufen eingesetzt werden. Dabei werden die Schritte kürzer und die Schrittfrequenz höher.

Fazit: Variabel trainieren, um gesund zu laufen

Wer beim Laufen mit der Ferse zuerst aufsetzt, sollte dies weiterhin tun. Statt auf das Umstellen des Laufstils sollte auf ein ausgewogenes variables Training geachtet werden, das vor Überlastungsschäden schützt. Besonders Lauf-ABC-Übungen können helfen. Außerdem schützt der regelmäßige Wechsel der Laufschuhe vor Verletzungen. Und wer regelmäßig läuft, sollte verschiedene Laufschuhe einsetzen. Die RUNNER'S WORLD-Faustregel: So viele Tage, wie man in der Woche läuft, so viele Paar Laufschuhe sollte man besitzen und nutzen.

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