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Training nach Herzfrequenz Effektiver laufen durch Pulskontrolle

Läufer, die ihren Puls beim Sport überwachen, trainieren nicht nur gesünder, sondern auch effektiver. Wir erklären, wie das Lauftraining nach Herzfrequenz funktioniert.

Training nach Herzfrequenz: Effektiver laufen durch Pulskontrolle +
Foto: iStockphoto

Läufer können ihr Lauftraining mit einem Pulsmesser optimal steuern.

Wer effektiv trainieren will, der muss beim Laufen unterschiedliche Trainingsbereiche ansprechen. Mal schnell rennen, mal erholsam joggen, mal lange laufen – je variabler, desto besser. Aber wie bestimmt man den idealen Trainingsbereich? Eine sehr gute Orientierung, wie sehr Sie sich beim Laufen gerade anstrengen, gibt Ihnen die Herzfrequenz. Wir erklären, wie Ihr Pulswert zu deuten ist und stellen fünf unterschiedliche Pulszonen vor, mit denen Läufer effektiv trainieren können.

Inhalt:
• Basiswissen: Ruhepuls und Maximalpuls
• Effektiver trainieren durch Pulskontrolle
• Die verschiedenen Pulsbereiche
• Erholungsgeschwindigkeit: Wie schnell sinkt der Puls nach dem Training?
• Wie trainiere ich richtig mit einer Pulsuhr?
• Die Rahmenbedingungen: Was hat Einfluss auf meine Herzfrequenz?
• Gelten für Frauen beim Laufen andere Pulsbereiche?
• Warum ist der Puls bei Hitze oder Kälte höher?
• Was tun, wenn der Puls beim Laufen zu hoch ist?
• Herzfrequenzsprünge und plötzlicher Pulsanstieg
• Ist der Energieverbraucht bei selbem Puls in unterschiedlichen Sportarten gleich?
• Was ist der ideale Puls beim Marathon?

Basiswissen: Ruhepuls und Maximalpuls

Spricht man von der Herzfrequenz, spielen zwei Pulswerte die entscheidende Rolle: Die Rede ist vom Ruhepuls bzw. der Ruheherzfrequenz und vom Maximalpuls; letzterer wird häufig auch als HFmax bezeichnet, die Abkürzung steht für maximale Herzfrequenz. Die Herzfrequenz als solche wird vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Den herzfrequenzstimulierenden Teil dieses Systems nennt man Sympathikus. Eine Sympathikusaktivierung, zum Beispiel durch Anstrengung, führt zur Erhöhung der Herzfrequenz. Der Parasympathikus ist der Gegenspieler des Sympathikus und bewirkt eine Senkung der Herzfrequenz.

Als Ruhepuls wird der Herzfrequenzwert bezeichnet, den man im Zustand ohne jegliche körperliche Belastung misst. Der Ruhepuls kann sich bei Menschen gleichen Alters, Geschlechts, gleicher Größe und gleichen Gewichts um bis zu 50 Schläge pro Minute unterscheiden. Der Ruhepuls lässt im Gegensatz zur maximalen Herzfrequenz besser Rückschlüsse bezüglich des Ausdauertrainingszustandes zu, allerdings ist ein niedriger Ruhepuls auch kein sicherer Hinweis für eine gute Ausdauerleistungsfähigkeit. Als Faustregel gilt: Je trainierter man ist, desto niedriger ist der Ruhepuls. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, denn bei manchen Weltklasse-Langstreckenläufern sinkt der Ruhepuls nicht unter 50 Schläge pro Minute ab. Für die Mehrheit der sehr gut trainierten Ausdauersportler ist jedoch ein Ruhepuls um 40 Schläge pro Minute nichts Ungewöhnliches. So soll Jan Ullrich zu seiner aktiven Radsport-Karriere einen Ruhepuls von knapp über 30 Schlägen gehabt haben. Bei untrainierten Menschen liegt der Ruhepuls zumeist um die 70 Schläge.

Am besten lässt sich der Ruhepuls morgens direkt nach dem Aufwachen im Liegen messen, mit einem Pulsmesser oder per Hand entweder am Handgelenk auf der Daumenseite oder an der Halsschlagader neben dem Kehlkopf (bei schwachem Puls ist das Pochen hier besser zu tasten): Dazu legen Sie Zeige-, Mittel-, und Ringfinger mit leichtem Druck auf die Haut auf. Der Daumen ist zur Messung ungeeignet, denn er hat einen eigenen spürbaren Pulsschlag, der das Ergebnis verfälschen kann. Am einfachsten zählen Sie die Schläge für 15 Sekunden und multiplizieren das Ergebnis mit 4, um auf die Schlagzahl pro Minute zu kommen. Damit Veränderungen festgestellt werden können, sollten Sie den Ruhepuls mindestens einmal pro Woche messen. Vergleichen Sie die Ergebnisse von Woche zu Woche, und Sie werden schon bald feststellen, dass sich mit steigendem Fitness-Level etwas verändert und der Ruhepuls mit der Zeit absinkt. Sollte der Ruhepuls leicht erhöht sein, kann dies die Folge von einem Übertraining, einem aufkommenden Infekt oder von zu wenig Trinken sein.

Die maximale Herzfrequenz ist die Anzahl der Herzschläge pro Minute, die ein Mensch unter größtmöglicher körperlicher Belastung erreichen kann. Sie hängt ganz maßgeblich vom Alter ab. Trainieren lässt sich der Maximalpuls nicht, dafür sinkt er im Laufe des Lebens ab. Um Ihre maximale Herzfrequenz zu ermitteln, gibt es drei verschieden genaue Methoden, die wir hier erklären:

So bestimmen Sie Ihre maximale Herzfrequenz HFmax.

Effektiver trainieren durch Pulskontrolle

In unseren Trainingsplänen ist der Puls derjenige Gradmesser, nach dem sich die Trainingsintensität bestimmt. Es ist immer von einem bestimmten Prozentwert der maximalen Herzfrequenz die Rede, zum Beispiel 60 Minuten mit 70 bis 75 Prozent der HFmax. Das bedeutet, Ihr Puls sollte sich während Ihrer 60 Minuten andauernden Jogging-Einheit im Bereich zwischen 70 bis 75 Prozent Ihrer maximalen Herzfrequenz bewegen. Falls Sie auf einer profilierten Strecke oder bei Wind laufen, kann das bedeuten, dass Ihr Tempo nicht konstant ist, weil Sie bergauf oder gegen den Wind langsamer laufen müssen, um im gewünschten Herzfrequenzbereich zu bleiben. Genau das ist aber der Vorteil am pulsorientierten Lauftraining: Denn so ist die Belastung während des Trainings konstant, die sich eben an der Herzfrequenz ablesen lässt und nicht am Tempo.

Die verschiedenen Pulsbereiche

Anhand Ihres Maximalpulses können Sie die fünf wichtigsten Pulsbereiche berechnen, die für ein sinnvolles Training wichtig sind.Diese Trainingsbereiche finden sich auch in unseren Trainingsplänen für alle Läuferziele vom 5-km-Lauf bis zum Marathon wieder.

1. Pulsbereich: Der langsame Dauerlauf

70 bis 75 Prozent der maximalen Herzfrequenz: Der erste Pulsbereich entspricht einem langsamen Dauerlauf. Das bedeutet konkret: Sehr niedriges Lauftempo. Für die meisten Läufer fühlt sich der langsame Dauerlauf zunächst eher zu langsam an, halten Sie sich daher genau an die Werte Ihrer Pulsuhr, besonders an den oberen. Kurze langsame Läufe über etwa 30 bis 45 Minuten dienen der aktiven Regeneration, etwa am Tag nach anstrengenden Trainingseinheiten. In der Halbmarathon- und Marathonvorbereitung trainieren Sie mit dem langen Lauf, dem Long Jog, Ihre Langzeitausdauer und die Fettverbrennung. Die langen, langsamen Läufe sind die Schlüsseltrainingseinheiten für den Marathonerfolg.

2. Pulsbereich: Der ruhige Dauerlauf

75 bis 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz: Ruhige Dauerläufe im Bereich zwischen 75 und 80 Prozent der HFmax sollten zusammen mit den lockeren Dauerläufen (3. Pulsbereich) den Großteil eines jeden Lauftrainings ausmachen. Durch sie entwickelt sich die aerobe Grundlagenausdauer (aerob: ohne Sauerstoffschuld, man kommt nicht außer Atem). Bei ruhigen Läufen im Wohlfühltempo ist eine gesellige Unterhaltung jederzeit möglich. Die Pulskontrolle dient hier als Tempokontrolle nach oben und nach unten, man läuft nicht zu langsam, aber auch nicht zu schnell.

3. Pulsbereich: Der lockere Dauerlauf

80 bis 85 Prozent der maximalen Herzfrequenz: Auch der lockere Dauerlauf fühlt sich für die meisten Läufer noch nach Wohlfühltempo an, auch wenn das Tempo schon ein wenig flotter als beim ruhigen Dauerlauf ist. Beim lockeren Dauerlauf hat man oft das Gefühl, es "rollt" einfach. Reden ist auch in diesem Pulsbereich noch gut möglich. Im zweiten und dritten Pulsbereich absolvieren die meisten Läufer eine Vielzahl ihrer Läufe, da es sich hier meist um das persönlich angenehmste Tempo handelt. Aber Achtung: Machen Sie nicht den Fehler, alle Läufe in diesem Bereich zu absolvieren, sonst werden Sie Ihre Leistung nicht verbessern!

4. Pulsbereich: Der Tempodauerlauf

85 bis 88 Prozent der maximalen Herzfrequenz: Ein Lauf in diesem Pulsbereich ist ein zügiger Dauerlauf, ein so genannter Tempodauerlauf. Das bedeutet: Hohes Lauftempo, aber ohne Muskelübersäuerung. Der Puls sollte stabil bleiben. Ganz wichtig ist, dass Sie beim zügigen Dauerlauf vorher fünf bis zehn Minuten ganz langsam einlaufen und nachher ebenso lang auslaufen. Den Tempodauerlauf finden Sie in jedem ambitionierten Trainingsplan. Wer seine Bestzeiten im Halbmarathon oder Marathon verbessern will, sollte ihn häufiger in sein Lauftraining einstreuen, aber auch 5- und 10-km-Läufer profitieren stark von zügigen Dauerläufen. An der oberen Grenze des vierten Pulsbereiches liegt etwa Ihre individuelle aerob-anaerobe Schwelle. An dieser Schwelle halten sich Sauerstoffaufnahme durch die Atmung und Sauerstoffverbrauch in den Körperzellen gerade noch die Waage. Eine andere Bezeichnung für die aerob-anaerobe Schwelle ist die Laktatschwelle, bei der Laktatabbau und Laktatproduktion im Gleichgewicht sind. Mit der Zeit bekommen Sie ein gutes Gefühl für diese Schwelle. Profis können im Tempodauerlauf-Bereich den kompletten Marathon absolvieren. Bei gut trainierten Freizeitläufern entspricht der Tempodauerlauf dem Halbmarathonrenntempo. Im Training laufen Sie meist 5 bis zu 15 Kilometer in diesem Tempobereich.

5. Pulsbereich: Tempoläufe

90 bis 95 Prozent der maximalen Herzfrequenz: Das sind Tempoläufe. Dies bedeutet: Läufe bei fast maximalem Tempo in Intervallform und mit Pausen dazwischen. Diese Trainingsvariante ist wichtig, wenn Sie schneller werden möchten. Sie steht daher in jedem ambitionierten Trainingsplan auf dem Programm. Bei kürzeren Renndistanzen (5 und 10 km) werden meist Tempoläufe zwischen 200 und 800 Metern gelaufen, die Intervalltrainings in Halbmarathon- und Marathonplänen umfassen Tempoläufe bis zu 2.000 oder sogar 3.000 Meter. Da der Grad zwischen hocheffektivem Training und Überlastung sehr schmal ist, sollten Sie mit dieser Variante nicht auf gut Glück herumexperimentieren, sondern sich genauestens an Ihren Trainingsplan halten. Passende Tempi fürs Intervalltraining können Sie mit unserem Intervall-Trainings-Rechner bestimmen.

Ihre individuellen Pulsbereiche können Sie mit unserem Herzfrequenzrechner ganz einfach berechnen lassen:

Hier geht’s zum Herzfrequenzrechner.

Erholungsgeschwindigkeit: Wie schnell sinkt der Puls nach dem Training?

Mit zunehmender Fitness werden Sie feststellen, dass Sie sich nach Belastungen schneller erholen. Je schneller sich die Erholung nach einer Belastung einstellt, desto fitter sind Sie. Dieser Fortschritt lässt sich einfach messen: Wärmen Sie sich gut auf und laufen Sie zwei Minuten in vollem Tempo. Danach stoppen Sie und messen Ihren Puls. Sobald die Herzfrequenz um einen Schlag gesunken ist, beginnen Sie, die Zeit zu stoppen, und notieren sich den Wert, der sich nach einer Minute ergibt. Ein Wert von 30 Schlägen pro Minute weniger gilt als gut, 40 sind hervorragend. Je mehr Schläge weniger, desto fitter sind Sie.

Wie trainiere ich richtig mit einer Pulsuhr?

Aktuelle Pulsuhren messen während des Trainings kontinuierlich Ihre Herzfrequenz. Das tun sie entweder klassisch und EKG-genau mit einem Brustgurt oder bequem am Handgelenk, was bei guten Uhren inzwischen für die meisten Trainingsbedürfnisse auch ausreichend genau ist. Ihre individuellen Herzfrequenzgrenzen lassen sich oft einprogrammieren, sodass Sie einen Warnton oder ein Vibrationssignal bekommen, wenn Sie aus der geplanten Zone herauskommen. Bei den meisten Uhren können Sie bei der Pulsanzeige wählen, ob Sie die Herzfrequenz als Zahl in bpm (beat per minute, Schläge pro Minute) oder in Prozent Ihrer eingestellten HFmax angezeigt bekommen. Wir testen regelmäßig aktuelle Lauf- und Pulsuhren. Die Ergebnisse und alle wichtigen Details zu den Funktionen der Uhren finden Sie in dieser Fotostrecke:

Die Rahmenbedingungen: Was hat Einfluss auf meine Herzfrequenz?

Durch die Möglichkeit der Echtzeit-Anzeige der Herzfrequenz kann man sich als Läufer mit dem Pulswert als Belastungsmaßstab auseinandersetzen und seine Trainingsbelastung genau dosieren. Dazu muss man aber wissen, dass die Herzfrequenz für Außeneinflüsse sehr sensibel ist. Nur wer die Rahmenbedingungen kennt, ist in der Lage, seine Pulsmessungen richtig zu interpretieren.

Die Psyche
Nicht nur der Hund auf der Laufstrecke, auch sonstige Aufregung wie das Warten auf den Startschuss bei Wettkämpfen erhöht die Herzfrequenz. Auch naher Autoverkehr erhöht die Herzfrequenz. Es kann sogar sein, dass der Puls weiter steigt, weil man sich über ansteigende Pulswerte ärgert. Dies bewirkt unter Umständen, dass der Puls über längere Zeit gar nicht mehr absinkt. Übrigens reagiert die Herzfrequenz umso empfindlicher auf derartige Einflüsse, je langsamer das Lauftempo ist.

Wetter und Dehydrierung
Die Herzfrequenz wird durch nichts stärker beeinflusst als durch die Körpertemperatur. Dies bedeutet, dass bei einem langen Lauf bei heißem Wetter und bei schlechter Flüssigkeitsaufnahme die Herzfrequenz um 15-20 Schläge höher liegt als unter Normalbedingungen. Hitze führt nämlich unter anderem zu einem erhöhten Blutfluss. Zum einen, weil die Muskeln das Blut vom Herzen anfordern um sich mit dem nötigen Sauerstoff zu versorgen, zum anderen, weil das Blut die in den Muskel transportierte Wärme an die Hautoberfläche transportieren muss, damit der Körper nicht überhitzt. Aufgrund dieser vielfältigen Anforderungen muss das Herz bei warmen Temperaturen mehr arbeiten und die Herzfrequenz steigt. Ein weiterer Grund, weshalb das Herz mit warmen Temperaturen nicht so gut zurecht kommt ist, weil durch das viele Schwitzen das Blutvolumen sinkt und folglich weniger und zudem dickeres Blut zur Verfügung steht. Glücklicherweise passt sich der Organismus mit der Zeit den warmen Temperaturen an, beispielsweise dadurch, dass weniger Flüssigkeit als sonst über den Urin abgegeben wird. Oder dadurch, dass das Blutvolumen von Tag zu Tag ansteigt und zudem effektiver geschwitzt wird. Letzteres sorgt dafür, dass die Haut kühler bleibt und weniger Blut benötigt wird.

Durch einen Flüssigkeitsverlust (Dehydrierung) kann es zu einem Abfall des Schlagvolumens des Herzens kommen. Dies muss durch eine Erhöhung der Herzfrequenz ausgeglichen werden. Regen hat hingegen kaum einen Einfluss auf Körpertemperatur und somit Herzfrequenz, Kälte erst bei sehr niedrigen Temperaturen. Starker Gegen- oder Rückenwind kann die Belastung eines Dauerlaufs stark beeinflussen. Durch die Messung der Herzfrequenz ist man dann in der Lage, unabhängig vom Lauftempo die Belastung dennoch konstant zu halten.

Krankheit
Nicht nur ein Flüssigkeitsdefizit führt zu einer Erhöhung der Körpertemperatur und der Herzfrequenz. Besonders Fieber lässt die Herzfrequenz in die Höhe gehen. Auch ohne Fieber ist eine Herzfrequenzerhöhung in Ruhe oder bei Belastung erstes Alarmzeichen für eine beginnende Erkrankung. In solchen Fällen sollte eine Trainingsreduktion oder Trainingspause selbstverständlich sein. Auch in der Erholungszeit nach Infektionen kann die Messung der Herzfrequenz helfen, im Trainingswiederaufbau der Überlastung vorzubeugen, indem man die Belastung aus dem niedrigsten Herzfrequenzbereich heraus langsam steigert.

Geländebeschaffenheit
Bei übermäßigem Einsatz des Oberkörpers und veränderter Bewegungskoordination bei schwer zu laufendem Gelände kann ein Herzfrequenzanstieg auftreten, der nicht allein durch die gestiegene Belastungsintensität erklärbar ist und bei der Einschätzung der Herzfrequenz berücksichtigt werden muss. Bei starken Anstiegen auf der Laufstrecke zeigt die Herzfrequenz die deutlich höhere Herz-Kreislauf-Belastung an als beim Laufen in der Ebene.

Höhe
Ob im Bergurlaub oder im gezielten Höhentraining: Bereits auf 2.000 Meter Höhe nimmt wegen des geringeren Sauerstoffgehalts der Atemluft die maximal mögliche Sauerstoffaufnahme um rund 15 Prozent ab. Dieser Rückgang wird zum Teil durch einen Anstieg der Herzfrequenz beim Laufen kompensiert. Insbesondere während der ersten Tage eines Höhenaufenthaltes findet man ein überdeutliches Ansprechen der Herzfrequenz auf diese Situation. Diese Erhöhung der Herzfrequenz sollte in jedem Fall bei der Trainingsgestaltung berücksichtigt werden, auch wenn hierdurch aus dem gewohnten Dauerlauf ein gemütlicher Spaziergang werden sollte.

Gelten für Frauen beim Laufen andere Pulsbereiche?

Frauen haben tendenziell eine etwas höhere maximale Herzfrequenz als Männer. Die daraus berechneten Trainingsbereiche für die unterschiedlichen Dauerläufe werden daher bei Frauen im Schnitt ebenfalls höher liegen als bei Männern (in absoluten Werten, in Prozentwerten der HFmax gelten die gleichen Grenzwerte). Allerdings stoßen Faustregeln zur Herzfrequenz schnell an ihre Grenzen, zu groß sind die individuellen Abweichungen. Im Grunde sollten ernsthafte Läuferinnen (gilt auch für Läufer) sich immer einem individuellen Herzfrequenz- oder Laktattest unterziehen, um ihre Trainingsbereiche zu ermitteln.

Warum ist der Puls bei Hitze oder Kälte höher?

Bei hohen Temperaturen im Sommer oder bei Eiseskälte im Winter kommen Sie leichter außer Atem und die Beine werden schneller müde? Auch der Puls liegt höher als Sie bei gleichem Tempo gewohnt sind? Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: Die äußeren Bedingungen, seien es Hitze oder Kälte, wirken sich stark auf unser Pulsverhalten aus. Der Körper muss sich den äußeren Begebenheiten anpassen: das kostet ihn Energie. Je extremer die Temperaturen – das gilt sowohl für Hitze als auch für Kälte – desto mehr Kraft benötigt er, um sich daran zu gewöhnen. Das zeigt sich deutlich auf der Pulsuhr. Daher liegen die Bestzeiten bei Rennen in extrem heißen und extrem kalten Gebieten auch deutlich unter denen, die bei idealen Temperaturen absolviert werden.

Was ist beim Training bei Hitze oder Kälte zu beachten? Ganz einfach: Laufen Sie langsamer. Sagen Sie nicht, dass Sie das nicht können, denn das haben schon viele behauptet, bis wir ihnen (z. B. in unseren Laufseminaren) gezeigt haben, dass es geht. Machen Sie im Sommer bei Hitze ebenso wie im Winter bei Kälte einfach mal langsam. Im Sommer können Sie zudem auf die kühlen Morgenstunden ausweichen. Im Winter sollten routinierte Läufer allgemein das Training runterschrauben und weniger laufen als im Frühjahr, Sommer und Herbst. Profis legen sogar häufig eine Winterpause von mehreren Wochen ein.

Was tun, wenn der Puls beim Laufen zu hoch ist?

Viele Laufeinsteiger mit sportlichem Hintergrund wundern sich, warum ihr Puls beim Joggen viel höher ansteigt als bei anderen Sportarten. Wenn Sie beim Laufen sofort in einen roten Bereich kommen, außer Atem sind und schnell müde Beine haben, machen Sie einen typischen Anfängerfehler: Sie laufen zu schnell los. Die Lösung ist ganz einfach: Laufen Sie langsamer! Und zwar so langsam, dass Sie innerhalb der Pulsgrenzen des geplanten Trainings bleiben, beim langsamen Lauf beispielsweise also bis maximal 75 Prozent der HFmax. Hierzu kann anfangs ein Herzfrequenzmesser hilfreich sein, der Kontrolle über den Puls gibt. Allerdings sollten Sie trotz des Pulsmessers nicht das Vertrauen und Gefühl in Ihren Körper verlieren. Deswegen einfach den Pulsmesser auch mal zu Hause lassen.

Das richtige Lauftempo kann zum Teil sogar so langsam ausfallen, dass Sie nicht schneller als beim Walken unterwegs sind. Das ist völlig in Ordnung. Der Unterschied zum Walken sind der höhere Trainingseffekt und Energieverbrauch. Denn beim Laufen heben Sie mit jedem Schritt Ihr gesamtes Körpergewicht in die Luft, während beim Walken immer ein Fuß Bodenkontakt hat und den Körper stützt. Durch den höheren Trainingseffekt entwickelt sich Ihrer Leistungsfähigkeit beim Joggen deutlich schneller als beim Walking oder Nordic Walking. Somit werden Sie auch schon nach wenigen Laufwochen ein wesentlich schnelleres Lauftempo anschlagen können, ohne dass der Puls sofort nach oben schnellt.

Haben Sie also Geduld mit sich, es wird sich bezahlt machen. Denn wenn Sie sanft in den Laufsport einsteigen, werden Sie sich schon bald auf Ihren ersten Wettkampf vorbereiten können – ohne an Motivationsverlust, Überforderung, Müdigkeit und Verletzungen zu leiden. Denn all dies sind Nebenerscheinungen eines zu rasanten Einstiegs, des häufigsten Fehlers, den Laufanfänger machen.

Sollten Sie schon Fortgeschrittener sein und dennoch einen stetig hohen Puls haben, zählen Sie zu den sogenannten Hochpulsern. Hierbei gilt zu beachten, dass Sie sich bei dem hohen Puls wohlfühlen, dass keine deutliche Steigerung der Atmung zu verspüren ist und dass Sie längere Distanzen zurücklegen können ohne Schäden davon zu tragen.

Herzfrequenzsprünge und plötzlicher Pulsanstieg

Sind Herzfrequenzsprünge bei konstanter Belastung harmlos oder Anzeichen einer Herzrhythmusstörung? Bei Tempoeinheiten sind Veränderungen der Trainingsherzfrequenz normal und erwünscht. Was ist aber, wenn das Herz bei konstanter Belastung – meist zum Ende eines Dauerlaufes – plötzlich um 20 bis 30 Schläge häufiger schlägt?

Erhöhung der Körpertemperatur und Dehydrierung Gründe für den Pulsanstieg
Für den Herzfrequenzanstieg unter konstanter Belastung und konstanten Außenbedingungen werden unterschiedliche Gründe diskutiert. Eine der entscheidenden Ursachen liegt im Anstieg der Körpertemperatur unter Belastung. Dies führt unter anderem zu einem erhöhten Blutfluss, welcher zur Kühlung des Körpers notwendig ist und der mit einer Herzfrequenzerhöhung einhergeht. Der damit verbundene Herzfrequenzanstieg kann, bezogen auf eine Belastung um ein bis zwei Stunden, bei 5-10% liegen. Neben äußeren Faktoren wie Hitze ist unter anderem auch die Erhöhung der Körpertemperatur ein Grund für den Flüssigkeitsverlust unter Belastung (sog. Dehydrierung). Hierdurch bedingt, kann es zu einem Abfall des Schlagvolumens des Herzens kommen. Dies muss durch eine Erhöhung der Herzfrequenz ausgeglichen werden.

Eine weitere Begründung für den HF-Anstieg ist die Abnahme der Muskeleffizienz, insbesondere bei längeren Belastungen. Hier findet sich auch eine deutliche Abhängigkeit zur Leistungsfähigkeit. Bei gut Trainierten fällt der Anstieg geringer aus, schlecht Trainierte zeigen einen deutlicheren Anstieg.

10 Prozent Zunahme ist normal
Da alle oben aufgeführten Mechanismen von individuellen Voraussetzungen abhängen, kann das Ausmaß des Herzfrequenzanstiegs nicht genau berechnet werde, eine entsprechende allgemeingültige Formel existiert nicht. Eine Linearität des Anstiegs liegt ebenfalls nicht vor. Es kommt vielmehr zu Beginn der Belastung, in der Regel über die ersten fünf bis 15 Minuten zu einem raschen, fast linearen Anstieg, welcher sich dann aber deutlich abflacht und asymptotisch der maximalen Frequenz am Ende der Belastung annähert. In Abhängigkeit von individuellen Voraussetzungen, Laufvorgaben und äußeren Bedingungen kann die Zunahme der Herzfrequenz bei konstanter Leistung aber bis zu 10%, in Einzelfällen sogar noch mehr betragen.

Was tun bei größeren Sprüngen?
Sind die Veränderungen der Herzfrequenz bei konstanter Belastung noch größer (zum Beispiel von 154 Schlägen auf fast 200 Schläge), ist eine Herzfehlfunktion nicht ausgeschlossen. Sportmediziner Andreas Niess sagt: "Ein hoher Pulsanstieg kann die Folge einer Herzrhythmusstörung sein, am ehesten einer vom Vorhof ausgehenden Tachykardie. Diese muss sich bei Herzfrequenzen um 200/min nicht unbedingt in Symptomen äußern und könnte auch erklä­ren, dass man sich trotz des hohen Pulses nicht sonderlich belastet fühlt."

Beobachten Sie solche Pulsveränderungen bei sich, sollten Sie sich einem Belastungs-EKG auf dem Laufband unterziehen. Dort sollten Sie dann auch bis zu den entsprechenden Pulswerten belastet werden. "Dabei könnte man zum einen Hinweise auf das Auftreten einer Rhythmusstörung finden und zum anderen aber auch klä­ren, wie hoch die maximale Herzfrequenz in Ihrem individuellen Falle liegt", fasst Niess zusammen.

Ist der Energieverbraucht bei selbem Puls in unterschiedlichen Sportarten gleich?

Der Energieverbrauch lässt sich anhand der Herzfrequenz relativ gut vergleichen, denn durch die steigende Herzfrequenz nimmt auch die Sauerstoffaufnahme zu. Diese ist wiederum ein gutes Maß für den Energieumsatz. Als Faustregel gilt: Je höher die Herzfrequenz und je größer die Sauerstoffaufnahme, desto höher der Energieverbrauch. Dabei ist es egal, um welche Sportart es sich handelt. Dieser Regel folgend, kann man gut nachvollziehen, warum man bei subjektiv identischem Anstrengungsgrad für denselben Energieumsatz auf dem Fahrrad deutlich länger trainieren muss als beim Laufen: Die Herzfrequenz und somit der Energieverbrauch liegt beim Radfahren meist deutlich niedriger. Auf dem Rad wird im Vergleich zum Laufen ein geringerer Anteil der gesamten Muskulatur in Anspruch genommen. Dadurch haben Sie beim selben Anstrengungsgrad eine geringere Herzfrequenz, nehmen weniger Sauerstoff auf und verbrauchen somit auch weniger Energie. Wichtig zu beachten ist, dass der Vergleich von Herzfrequenz und Energieverbrauch nur bei ein und derselben Person bei niedriger Belastungsintensität funktioniert. Nimmt die Belastung zu, steigt auch die Milchsäurekonzentration im Blut und der Organismus nutzt einen weiteren Stoffwechselweg zur Energieproduktion. Somit steigt der Energieverbrauch bei zunehmender Milchsäurekonzentration im Blut schneller an als es durch die Herzfrequenz angezeigt wird.

Was ist der ideale Puls beim Marathon?

Wie Sie oben bei den verschiedenen Pulsbereichen gelernt haben, liegt die aerob-anaerobe Schwelle bei etwa 88 Prozent Ihrer individuellen maximalen Herzfrequenz. Diesen Pulsbereich sollten Sie beim Marathon nicht überschreiten. Je länger die Wettkampfdistanz, desto langsamer ist die durchschnittliche Laufgeschwindigkeit und desto niedriger die Herzfrequenz. Bei einem 10-Kilometer-Lauf gelangen Sie naturgemäß dichter an Ihren Maximalpuls heran als bei einem Marathon. Das liegt daran, dass sich bei schnellen Laufgeschwindigkeiten mit anaerobe Energiebereitstellung (also unter Sauerstoffschuld) im Muskel Milchsäure (Laktat) bildet, die vom Körper nach einiger Zeit nicht mehr abgebaut werden kann. Dann kommt es zur Übersäuerung und die Leistungsfähigkeit nimmt rapide ab.

Die Belastungsintensität, bei der der Abbau von Laktat nicht mehr mit der Neubildung Schritt halten kann, bezeichnet man als aerob-anaerobe Schwelle oder Laktatschwelle. Sehr gut trainierte Läufer sind in der Lage, dicht an dieser Schwelle zu laufen und diese maximale Dauerbelastung einen ganzen Marathon lang durchzuhalten. Die aerob-anaerobe Schwelle lässt sich zwar nur im sportmedizinischen Labor einigermaßen exakt ermitteln, über den Daumen gepeilt liegt sie aber bei etwa 88 Prozent der individuellen maximalen Herzfrequenz.
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24.08.2018
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