Läuferin mit Schienbeinschmerzen iStockphoto

Schienbeinschmerzen beim Laufen

Schmerzhafte Angelegenheit Schienbeinschmerzen beim Laufen

Schienbeinschmerzen haben viele Ursachen und treten in verschiedenen Schweregraden auf. Für Läufer gilt: nicht verharmlosen!

Schmerzen am Schienbein im Training oder nach dem Laufen deuten meist auf eine Überbelastung der Muskulatur hin. Bei Läufern treten Schienbeinschmerzen recht häufig als Symptom einer anderen Verletzung auf. Eine bekannte Form von Schienbeinschmerzen bei Läufern ist das Schienbeinkantensyndrom (Shin Splints).

Welche Symptome hat man bei Schienbeinschmerzen?

Schienbeinschmerzen äußern sich durch ziehende, stechende und / oder dumpfe Schmerzen im vorderen Bereich des Unterschenkels (Tibia). Sie können während oder nach einer Laufeinheit auftreten und länger andauern oder plötzlich entstehen und genau so schnell wieder verschwinden. Die Schmerzen können das gesamte Schienbein betreffen oder nur einen einzelnen Punkt.

Schienbeinschmerzen können als Symptom auftreten bei

Was sind die Ursachen für Schienbeinschmerzen?

Kurzum: Die Ursachen für Schienbeinschmerzen sind vielfältig und müssen ihre Ursache nicht unmittelbar am Schienbein und damit in der schmerzenden Körperregion haben. Daher ist die Ursachenforschung bei anhaltenden Beschwerden wichtig und für einen schnellen Genesungsprozess und den Wiedereinstieg in Ihr Training essentiell.

Warum überhaupt ausgerechnet das Schienbein? Die Knochen und Muskeln des Beines müssen beim Laufen mit jedem Laufschritt enorme Kraftstöße absorbieren. Um verletzungsfrei zu bleiben, brauchen Sie eine ausreichend trainierte Muskulatur. Die Wadenmuskulatur muss jede Landung vorbereiten, während Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur die Standbeinphase und die Abdruckphase stabilisieren.

Wird der Trainingsumfang schneller gesteigert als die Muskulatur in der Lage ist, dieser Belastung Stand zu halten oder absolvieren Sie ohne gezielte Vorbereitung plötzlich Bergläufe oder Hindernisläufe, kann es zu einer Überlastung der Muskeln, Sehnen, Bänder und Knochenstrukturen kommen. Das passiert besonders oft nach einer längeren Trainingspause. Dann entstehen Muskelzerrungen, eine Tendinitis, eine Periostitis (auch: Schienbeinkantensyndrom, Shin Splints oder mediales tibiales Stress-Syndrom), Knochenhautentzündungen bis hin zu Nervenreizungen oder Stressfrakturen. Eine genaue Diagnose muss vom Facharzt gestellt werden, um eine zielführende und effiziente Behandlung zu gewährleisten.

Überlastungen des hinteren Schienbeinmuskels entstehen vor allem bei Läufern, die zu einer starken Überpronation neigen. Diese Läufer rollen stark über die Fußinnenkante und die Großzehe ab. Das häufige Anziehen und Strecken der Großzehe überlastet die hintere Schienbeinmuskulatur und kann entsprechend zu Schienbeinschmerzen an der Innenseite des Unterschenkels führen.

Fersenläufer hingegen überlasten durch das wiederholte Anziehen des Vorfußes bei jedem Laufschritt vor allem die vordere Schienbeinmuskulatur. Dies führt zu Schmerzen, die sich vor allem im unteren Drittel des Schienbeins bemerkbar machen, verursacht durch den vorderen Schienbeinmuskel.

Welche Strukturen verursachen welche Schienbeinschmerzen?

Ziehende oder stechende punktuelle Schmerzen am vorderen und inneren Schienbein, die auch ausstrahlen können, deuten auf eine Reizung des vorderen oder hinteren Schienbeinmuskels oder eine Entzündung eines Sehnenansatzes hin. Die Schmerzen nehmen während des Trainings entweder immer weiter zu, verändern sich bei Belastung oder lassen nach zehn bis 20 Minuten langsam nach und machen sich erst nach einer kurzen Ruhephase nach dem Training wieder bemerkbar. Bei Entzündungen eines Sehnenansatzes (Tendinitis) schmerzt der entzündete Bereich auch in Ruhe. Häufig klagen betroffene Läufer zusätzlich über vermehrt auftretende Wadenkrämpfe oder eine dauerhafte Verhärtung der Wadenmuskulatur sowie eine Bewegungseinschränkung im Bereich der Achillessehne. Die Schmerzen können in beiden Beinen gleichzeitig auftreten. Oft lässt sich der Schmerz durch eine starke Streckung des Fußes provozieren und verstärken.

Punktuelle Schmerzen am Schienbein mit lokaler Schwellung können Zeichen einer Knochenhautentzündung (Periostitis) sein. Hierbei entsteht auch eine starke Druckschmerzhaftigkeit und evtl. eine Erhöhung der Hauttemperatur im schmerzenden Gebiet.

Schmerzen, die bei jeder Bewegung auftreten und ein weiteres Training von vornherein verhindern, können auf eine Muskelzerrung hindeuten. Eine zusätzliche Schwellung, Rötung und Temperaturerhöhung sowie Stabilitätseinbußen beim Gehen können Zeichen einer Stressfraktur sein.

Bei ziehenden, dumpfen oder drückenden Schmerzen, die mit einem dauerhaften Schwellungsgefühl, vor allem innerhalb des Unterschenkels einhergehen, sollte ein (funktionelles) Kompartmentsyndrom ausgeschlossen werden.

Welche Behandlung hilft bei Schienbeinschmerzen?

Die Behandlung der Schienbeinschmerzen richtet sich nach der jeweiligen Diagnose, die ein Arzt oder Physiotherapeut stellt. In vielen Fällen hilft bei Schienbeinschmerzen je nach Ursache entweder die Dehnung der Wadenmuskulatur oder die Dehnung des vorderen Schienbeinmuskels. Welche Übungen Ihnen am besten und schnellsten helfen, kann Ihnen ein Physiotherapeut nach vorheriger Befunderhebung erklären. Manuelle Lymphdrainage, leichte Massagen sowie Triggerpunkttherapie können die Behandlung unterstützen und die Heilung fördern. Wichtig sind regelmäßige Stabilisationsübungen für die Becken- und Fußmuskulatur sowie gegebenenfalls eine Anpassung des Trainingsplans.

So können Sie Schienbeinschmerzen vorbeugen

Passen Sie Ihr Training immer an Ihren individuellen (Trainings-)Zustand an. Steigern Sie Ihr Training niemals abrupt. Eine Faustformel lautet, dass Sie die Laufkilometer pro Woche nicht um mehr als zehn Prozent steigern sollten. Lassen Sie Ihrem Körper die notwendige Zeit, damit sich Knochen und Muskeln an die Trainingsreize anpassen können.

Augen auf beim Laufschuh-Kauf: Schnelle Schuhe für schnelle Zeiten sind super. Gute Vorsätze und neue Motivation für Trainingsbestzeiten auch. Vergessen Sie dabei jedoch nicht, dass jeder Fuß individuell ist und dass der schönste Schuh nicht unbedingt an Ihre Füße passt. Suchen Sie Ihre Schuhe danach aus, dass Ihre Fuß-, Sprunggelenks- und Knie-Stellung beim Laufen stimmen. Ihre Schienbeine werden es Ihnen danken.

Verletzungsfrei laufen durch Athletiktraining: Absolvieren Sie mindestens zweimal pro Woche ein Stabilisationstraining, bei dem Sie Gesäß, Rumpf und Sprunggelenke gezielt ansprechen. Untenstehend finden Sie einige Übungsvorschläge:

Workout für stabile Läuferknie

Stärkung der Fußgelenke

Kniebeugen, richtig ausgeführt

Gesäßtraining für Läufer

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